Flüchtlingskrise – unsere globale Krise kommt zu uns zurück

Gil Ducommun
German
February 18, 2016
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Flüchtlingskrise – unsere globale Krise kommt zu uns zurück
Gil Ducommun
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Spiritueller Aktivismus

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About this podcast

.Thomas Steininger im Gespräch mit Gil DucommunZu uns kommen Flüchtlinge aus dem verheerenden Krieg in Syrien, aber es kommen auch viele Wirtschaftsflüchtlinge. Wie stehen wir zu Ihnen, den Armen der Welt?Gil Ducommun war Professor für Entwicklungspolitik an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen und Mitbegründer des öko-spirituellen europäischen Netzwerkes Holon. In seiner langjährigen Arbeit in der Entwicklungspolitik war er lange Zeit auch in den Ländern des globalen Südens.Gil Ducommun: „Meine vielen Reisen in die südlichen Länder, vor allem nach Kamerun und Burkina Faso, stacheln mich enorm an. Das tut weh. Wenn ich in Ouagadougou bin – das ist die Hauptstadt von Burkina Faso – dann kommen Jugendliche im Alter von 15 bis 30 auf mich zu und wollen mir irgendetwas verkaufen. Sie haben keine Arbeit, verkaufen Kassetten, Taschentücher, Ohrensticks oder handwerkliche Objekte. Andere sind Taxichauffeure. Und dann hat mir kürzlich einer gesagt, nachdem ich nichts kaufen wollte: ‚Ja, dürfen wir denn nicht leben?‘ Ein anderer hat mir gesagt: ‚Wollt ihr uns denn nicht? Dürfen wir nicht leben wie ihr?‘ Das sind sehr schmerzhafte Begegnungen. In den Städten sind es zwischen 20 und 30 % der Jugendlichen, die einfach herumstehen; sie gehen nicht mehr in die Schule, haben vielleicht 5 bis 6 Jahre Schule hinter sich, keine berufliche Ausbildung. Sie streunen herum, wissen nicht, wovon leben und wozu leben. Sie haben keine Mittel für eine Heirat. Sie haben keine fixe Arbeit.Unzählige Kinder betteln, wollen Geld oder Nahrung. Man sieht invalide, ältere Menschen, von Kindern geführt; Blinde; eine unglaubliche Verlotterung. Also, das ist nicht Armut, das sind Zerfallsprozesse. Es gibt eine würdige Armut, wie z. B. bei Indianern im Urwald, wenn dieser intakt ist. Sie leben – kann man sagen – materiell arm, aber sie sind würdevoll arm. Das, was ich in den Städten sehe, in Douala in Kamerun zum Beispiel, ist verheerend. Das tut weh, das ist grauenhaft.“Gil Ducommun meint, wir stehen auch mit der Flüchtlingskrise vor einer globalen Alternative: „Die Alternative ist im Grunde sehr einfach: Entweder wir geben den Armen so viel von unserem Wohlstand ab, dass sie glauben, es lohnt sich in der Heimat zu bleiben, oder, wenn wir dazu nicht fähig sind, dann werden sie sich ihren Anteil bei uns abholen. Diesen Vorgang bezeichnet man verniedlichend als Völkerwanderung.“Thomas Steininger spricht mit Gil Ducommun über die Flüchtlingskrise und globale Armut.

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