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Eine Gesellschaft lebt aus ihrer Verschiedenheit. Wie kann diese Pluralität so in einen Dialog finden, dass die Unterschiede und Reibungen nicht zur Trennung führen, sondern zu kreativen Lösungen führen? Dieser frage geht Thomas Bruhn in seiner Arbeit im Bereich der nachhaltigen Transformation unserer Gesellschaft nach. Er leitet die transdisziplinäre Forschungsgruppe „Transformative Räume und Denkweisen“ am RIFS Potsdam und entwickelt Dialogräume, in denen Menschen sich jenseits gegnerischer Zuschreibungen begegnen können. Anhand des Drama-Dreiecks (nach Stephen Karpman) zeigt Thomas Bruhn auf, wie schnell wir uns in die Rollen von Ankläger, Verteidiger oder Opfer begeben. Dann versiegt die konstruktive Energie eines Gesprächs, statt auf Lösungen konzentrieren wir uns auf Abgrenzung.
Aber es gibt andere Möglichkeiten des Gesprächs, die Thomas Bruhn so beschreibt: „Wenn Menschen als Menschen miteinander sprechen, lassen sich selbst gravierende Unterschiede in Überzeugungen oder Weltbildern konstruktiv ins Gespräch bringen. Die Reibung wird fruchtbar, auch ohne Konsens. Voraussetzung ist dafür jedoch eine ehrlich wertschätzende Neugier am anderen und Bereitschaft, sich einander zu öffnen. Beides sind Qualitäten, die in vielen Arenen des gesellschaftlichen Diskurses nicht vorausgesetzt werden können. Auch im Nachhaltigkeits- und Klimadiskurs scheinen sich der Wissensstand und die Grundüberzeugungen und Bewertungen vieler Menschen erheblich zu unterscheiden. Häufig vernetzen oder treffen sich Menschen zudem bevorzugt mit Gleichgesinnten. Das verstärkt gesellschaftliche Segregation sowie Polarisierung und trägt damit auch zu schärferen Formen öffentlicher Konfrontation bei.“
In seiner Arbeit haben sich drei Grundprinzipien für eine konstruktive Konfliktkultur herauskristallisiert: „Beziehung geht vor Inhalt: Unabhängig vom Thema gilt es, zu Beginn einer Begegnung etwa ein Drittel der Zeit dem gegenseitigen Kennenlernen zu widmen. Ziel ist es, eine Kommunikationskultur zu etablieren, die von Respekt, Offenheit und einem Mindestmaß an Vertrauen geprägt ist. Erst auf dieser Basis lassen sich strittige Fragen sachlich und kreativ verhandeln.
Es geht um Verständigung statt Einigung. Ziel einer Zusammenkunft ist nicht, Konsens zu erzwingen, sondern Verständigung zu ermöglichen. Konsensdruck führt oft dazu, dass abweichende Meinungen als Bedrohung wahrgenommen werden – und stereotype Konfliktrollen entstehen.
Schließlich steht Eigenverantwortung statt Vorgaben im Vordergrund.
Das Prinzip des Empowerments bedeutet, dass Verantwortung bewusst bei den Einzelnen verbleibt und Begegnungen nicht darauf abzielen, zentrale Vorgaben zu machen oder "große Pläne" zu entwickeln. Diese Eigenverantwortung schafft Handlungsspielraum, Motivation und kreative Vielfalt in den Lösungen. Sie setzt allerdings Vertrauen voraus – das Vertrauen, dass Menschen aus denselben Informationen unterschiedliche, aber jeweils verantwortliche Wege ableiten können, auch wenn diese nicht meinen eigenen Vorstellungen entsprechen.
Genau darin liegt die demokratische Stärke einer pluralen Gesellschaft.“
Bei unserem evolve LIVE! Dialog-Webinar erforschen wir gemeinsam mit Thomas Bruhn und den Teilnehmenden die Dynamiken von Täter, Opfer und Retter und die Möglichkeiten einer konstruktiven Konfliktkultur. Wir werden die Qualitäten eines gelingenden Dialogs auch über Unterschiede hinweg miteinander vertiefen, damit die Verschiedenheit unserer Hintergründe und Ansichten zu einer kreativen Begegnung führen kann.
Begrüßung und Einführung
Dialog zum Thema mit Thomas und Mike mit Feedback aus dem Plenum
Pause
Dialog in kleinen Gruppen
Integration im Plenum

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Thomas Bruhn ist Physiker und leitet die transdisziplinäre Forschungsgruppe „Transformative Räume und Denkweisen“ am RIFS Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit in Potsdam. Er ist Experte für kollektives Lernen und Co-Kreativität, auch im Rahmen der UN-Klimakonferenzen,und ausgebildeter Moderator für verschiedene Gruppenformate sowie psychodynamische Führung und Beratung. Zuvor forschte er zu Halbleiter-Nanomaterialien in Berlin, Rom und Marseille. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und Mitglied der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW).

Mike Kauschke is an author, poet, editor, photographer, translator and dialogue facilitator. He is managing editor of evolve magazine. He practiced Zen Buddhism with teachers in the USA and Europe, explored an integral spirituality and worked in palliative care and hospice work. He has translated books from the fields of integral philosophy, mindfulness, Buddhism and organizational development into German (Steve McIntosh, Jon Kabat-Zinn, Rick Hanson, Frederic Laloux, Brian Robertson, Amy Edmondson etc.). For many years he has been practicing and facilitating dialogue work in evolve World. In 2022 his first book was published, „In Search of Lost World: A Journey to the poetic dimension of our lives”, and in 2024 he published “In Conversation with the Living World: Poetic impulses for a creative and meaningful existence”.
Mike Kauschke ist Redaktionsleiter des evolve Magazins, Dialogbegleiter für Emergent Dialogue und Autor der Bücher „Auf der Suche nach der verlorenen Welt“ und „Im Gespräch mit der lebendigen Welt“.
www.mike-kauschke.de
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