Die Kraft der Demut

Eine überraschende Quelle der Transformation

Demut klingt veraltet, vielleicht nur in den Grenzen von Religion oder Spiritualität gestehen wir ihr eine gewisse Bedeutung zu. Gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der die Selbsterhöhung unseres Individualismus an immer mehr Grenzen stößt. Viele der Fragen, die uns heute bedrängen, überfordern unsere Handlungsmöglichkeiten. Können wir in einer solchen Unsicherheit die Kraft der Demut neu wertschätzen lernen? Welche Kraft zeigt sich, wenn wir unser Nichtwissen annehmen? Welche Quellen der Veränderung könnte uns Demut erschließen?

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Zur Ausgabe 49 »Die Kraft der Demut – Eine überraschende Quelle der Transformation«

Ich denke, dass das Thema »Demut« (nicht nur für mich) im ersten Augenblick überraschend um die Ecke kam. Ich musste den Begriff erst einmal ein wenig entstauben. Erinnerungen aus meiner Kindheit tauchten auf, in denen Demut mit »kleinmachen« und Bedeutungslosigkeit verbunden war. Beim Lesen der Artikel wurde mir klar, dass Demut eine besondere innere Qualität ist und dass ich den Geschmack von Demut kenne. Aber natürlich kenne ich auch Ignoranz und Überheblichkeit.

Pater Anselm Grün spricht aus der Sicht eines Benediktiners vom Ringen mit der eigenen Verletzlichkeit, von Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und von der Achtsamkeit gegenüber der Natur. Er betont den Weg in die innere Stille und die Begegnung mit dem Heiligen. Für mich war besonders schön zu lesen, wie er Verletzlichkeit und Achtsamkeit miteinander verknüpft. Es zeigt mir, dass Demut nicht Schwäche, sondern gelebte Menschlichkeit ist.

Lama Willa Baker ergänzt dieses Bild. Sie verdeutlicht, dass wir Schattenanteile in uns tragen, die wir selbst oft nicht gut sehen können, während andere Menschen sie manchmal klarer wahrnehmen. Sie lädt uns ein, die Dunkelheit in uns anzuerkennen, ohne Angst davor zu haben, und zeigt, dass dies viel mit Demut zu tun hat.

Ihre Worte ermutigen, eine andere Lebenshaltung einzuüben, und in ihren Antworten liegt eine tiefe, gelebte Spiritualität die »winzig und weit« zugleich ist. So auch die Überschrift in der evolve. Ich fand sehr stimmig und für mich hilfreich, wie sie uns einlädt, unsere Schattenseiten anzunehmen. Für mich heißt das, dass Demut nicht bedeutet, sich kleinzumachen, sondern den Mut zu haben, das eigene Ego anzuschauen, es aber auch zurückzustellen und sich in etwas Größeres hineinzugeben.

Im evolve Salon in Minden, den ich als Salonleiter begleite, haben wir uns anschließend auch in unserer Salon-Gemeinschaft diesem Thema genähert. Was mich an diesem Abend überraschte, war die Erkenntnis, dass Demut eng verknüpft ist mit Vertrauen, Selbsterkenntnis und dem Bewusstsein, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Und dass gerade diese Qualität unsere Welt heute dringend braucht. Demut ist nichts, das man isoliert betrachten kann. In unserem Austausch entfaltete sich ein bewegender Dialog über die Kraft der Demut, aus dem ich viele Einsichten für mich mitnehme. Ich bin dankbar für diesen lebendigen Austausch und das wunderbar gestaltete Magazin.

Helmut Dörmann, Minden