Ein World Wide Web der Liebe?

Our Emotional Participation in the World
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Essay
Published On:

November 5, 2018

Featuring:
Conor Barnes
Hubert Dreyfus
Mark Zuckerberg
Marshall McLuhan
Peter Limberg
Robert Habeck
Sean Kelly
Teilhard de Chardin
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Ausgabe 20 / 2018:
|
November 2018
Die Bewusstseinsmaschine
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Utopie und Realität der Noosphäre

Mit dem Begriff Noosphäre beschrieb der Paläontologe und christliche Mystiker Teilhard de Chardin seine Vision einer geistigen Sphäre, die uns als Menschen miteinander verbindet. Viele sehen im Internet die Verwirklichung dieser Idee. Aber die Realität des Internets ist heute vor allem auch ein Ort der Fragmentierung unseres Lebens und unseres sozialen Gefüges. Welchen Sinn hat diese Vorstellung der Noosphäre in solchen Zeiten? Welche Rolle spielt dabei unsere Sprache? Und gibt es Wege, die uns über Trennung und Polarisierung hinausführen können?

»Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache,wir bräuchten die Waffen nicht.«

Ingeborg Bachmann

»Niemals, so möchten man sagen, haben sich die Menschen herzlicher zurückgestoßen und gehasst als heute, da alles sie einander näherbringt. Ist ein derartiges sittliches Chaos wirklich mit der Idee und der Hoffnung vereinbar, dass wir uns durch die Zusammenpressung unserer Körper und unserer Intelligenzen auf eine Einmütigkeit hinbewegen?« Dieser Satz scheint unsere gegenwärtige Erfahrung in Zeiten von Internet, sozialen Medien und der Gefährdung der Demokratie durch Polarisierung und Populismus, die Risse in die soziale Struktur unserer Gesellschaft reißen, sehr treffend zu beschreiben. Durch das Internet sind wir global verbundener denn je, aber gleichzeitig scheinen darin auch die Kräfte der Trennung einen neuen, kaum kontrollierbaren Wirkraum zu finden.

Der zuvor zitierte Satz stammt jedoch aus dem Jahre 1945 von dem Jesuitenpater und Paläontologen Teilhard de Chardin und steht in einem Essay über die »Planetisation«. Teilhard sah die Evolution des Kosmos und des Menschen in einer Bewegung zu mehr Komplexität und Konvergenz, mehr Differenzierung und Zusammenführung. Im Laufe dieser Entwicklung werde die Menschheit zu einem globalen geistigen Organismus, bewegt von der evolutionären Grundkraft der Liebe. Diese Verbindung der Menschen war für ihn aber keine Herabminderung der Individualität, sondern könnte den Menschen erst ganz den Weg in sein Personsein ebnen. Ein Organ dieser Planetisation war für ihn die Noosphäre, eine denkende Sphäre, die sich wie die Geosphäre oder Biosphäre um die ganze Erde zieht und die Menschheit geistig miteinander verbindet.

Diese Idee der Noosphäre wurde von Pionieren des Internets aufgegriffen, um ihrer Vision der Verbundenheit durch dieses neue Medium Ausdruck zu verleihen. Auch der Medientheoretiker Marshall McLuhan bezog sich darauf und beschrieb diese Sphäre als »kosmische Membran, die sich durch die elektrische Erweiterung unserer verschiedenen Sinne rund um den Globus gelegt hat …, ein technisches Gehirn für die Welt«. Teihard meinte mit der Noosphäre aber mehr als diese technische, bewusstseinsmaschinelle Interpretation. Für ihn ging es dabei um eine Steigerung der psychischen, also geistigen Verbundenheit in Liebe und Freiheit. Die Evolution dieser Sphäre bedeutete für ihn eine Intensivierung des Bewusstseins, in der immer mehr Menschen in eine Einheit hineinfinden und sie zu einem sozialen Lebensraum werden lassen. Und letztendlich war für Teilhard als evolutionären Mystiker die Noosphäre die Verwirklichung der göttlichen Einheit in der »menschlichen Materie« auf Erden.

Immer wenn wir online sind, treten wir potenziell in einen kulturellen Krieg ein.

Kampf in der Noosphäre

Die Vision einer globalen menschlichen Verbundenheit, die zu Beginn des Internets lebendig war, ist heute vielfach ganz unter die Wirkung der Marktlogik und der Technik gefallen, die mit Big Data und Algorithmen manipulative Kräfte freisetzt, die wir kaum beherrschen können. Ein eindrückliches Beispiel ist Facebook. Die Mission Statements, die Mark Zuckerberg veröffentlicht, klingen wie der Absicht entsprungen, die zuvor beschriebene Vision der Planetisation zu verwirklichen: »Den Menschen zu unterstützen, Gemeinschaften zu formen und die Welt näher zusammenzubringen.« Viele der Internet­Pioniere haben solche Visionen der Verbundenheit mit der Hoffnung auf wirtschaftlichen Erfolg zusammengeführt und dazu die technischen Möglichkeiten des Internets genutzt und gleichzeitig auch die Sehnsucht der Menschen nach neuen Formen der Verbundenheit als Marktressource erkannt.

Die Dynamik zwischen der Idee der Verbundenheit und der Realität der zunehmenden Ökonomisierung und Fragmentierung wird wohl nur verständlich, wenn wir sie vor dem Hintergrund unseres postmodernen Zeitgeistes sehen. Die Postmoderne hat alle übergreifenden kulturellen, politischen und religiösen Geschichten hinterfragt, die ein Monopol auf die Erklärung der Welt beanspruchten. Diese Befreiung geht mit einem immensen Sinnvakuum einher, in dem eine Vielzahl von Erklärungsmodellen um die Deutungshoheit kämpfen. Gleichzeitig sind das Internet und die sozialen Medien postmoderne Medien in dem Sinne, dass sie einen wertfreien Raum bieten, in dem Menschen ungehindert ihre Sicht der Wirklichkeit veröffentlichen können.

Heute sehen wir, dass diese Freiheit natürlich zu vielen globalen Bewegungen geführt hat, die sich an Gerechtigkeit und kulturellem Fortschritt orientieren wie der Arabische Frühlung, Occupy oder MeToo. Aber in diesen Freiraum sind auch viele andere Akteure getreten, deren Wirkraum das Internet exponenziell erweitert hat: profitorientierte Konzerne, Regierungen, Geheimdienste, politische Splittergruppen, terroristische Vereinigungen, radikale Ideologen usw. usw.

Statt einer Bewegung hin zu mehr »Einmütigkeit« ist wohl eher ein Trend zur Entzweiung zu beobachten, ein neuer Kulturkampf zwischen unterschiedlichsten Gruppen, bei dem es um das höchste Gut des Internetzeitalters geht: unsere Aufmerksamkeit. Dieser Kampf wird von den Krisen genährt, die uns in der Postmoderne heimsuchen, wie es Peter Limberg und Conor Barnes in einem Essay beschreiben. Es ist eine Sinnkrise, weil es kaum zentrale Instanzen gibt, die verbindlich Sinn geben. Eine Wahrheitskrise, weil die Manipulationsmöglichkeiten des Internets die Grundlage einer allgemein akzeptierten Wahrheit durchlöchert haben. Eine Zugehörigkeitskrise, weil das Gefühl von Gemeinschaft abhandenkommt. Eine Krise der Nähe, weil wir heute ungeschützt verschiedensten kontroversen Meinungen ausgesetzt sind. Eine Krise der Besonnenheit, weil große Akteure im Internet ihre Angebote so gestalten, dass sie möglichst stark süchtig machen und somit unsere Autonomie untergraben. Und eine Krise der Kriegsführung, weil unsere manipulierte Aufmerksamkeit zur Waffe in verborgenen Kämpfen wird, die von bestimmten Interessengruppen benutzt wird.

Ob wir es wissen oder nicht, immer wenn wir online sind und posten, liken und kommentieren, treten wir potenziell in einen kulturellen Krieg ein. Macht das nicht die Vision von einer Menschheit, die immer mehr ihre Einheit verwirklicht, zu einer kraftlosen, illusionären Idee? Immerhin fand Teilhard seine Vision der Planetisation nicht in der beschützten Umgebung abgeschiedener Kontemplation, sondern im Schützengraben des Ersten Weltkriegs. Können wir, die wir uns heute in den Schützengräben eines Kulturkampfes befinden, dieser Vision Nahrung und Raum geben? Und was könnten Ansatzpunkte dafür sein?

Demokratische Sprache

Im Kampf der vielen Interessengruppen wird zunehmend unsere Sprache zur Waffe. Deshalb sehen wir im digitalen Raum mit der Verrohnung der Sprache auch zunehmend eine Verrohung unseres Menschseins, in der Empathie, Wahrheit und Solidarität durch trennende Ideologien gefährdet werden, die sich dann »offline« in Wahlergebnissen zeigen.

Das Internet hat unser Sprechen verändert und uns in nie dagewesenem Maße eine »entkörperlichte« und »entpersönlichte« Kommunikation ermöglicht. Bei Kommentaren in den sozialen Medien kann man leicht vergessen, dass Kommunikation ein Gegenüber, einen Menschen erreicht. Viele trauen sich Dinge zu sagen, die sie in einem Gespräch mit dem Blick in die Augen des anderen nie sagen würden. Im gewissen Sinne übernehmen wir damit die technische oder instrumentelle Haltung, die nicht den anderen Menschen sieht, sondern jemanden, der meiner Meinung zustimmt oder nicht, der auf meiner Seite ist oder nicht. Bezeichnenderweise kommen viele Kommentare schon von SocialBots. Das sind auf Algorithmen basierende Programme, die menschliche Verhaltensmuster simulieren und auf diese Weise vorgeben, echte User zu sein. Im Netz kann man also oft kaum unterscheiden, ob man mit einem Menschen spricht oder einem Roboter, der für eine bestimmte Meinung programmiert wurde. Dieses instrumentelle Denken liegt der Aufmerksamkeitsökonomie zugrunde, in der Medien durch reißerische Schlagzeilen ihre Klickraten erhöhen wollen. In dieser Sichtweise werden die Nutzer selbst zu »Emotionalrobotern«, die man mit den gut gesetzten Anreizen, die meist auf Angst basieren, anzieht.

Das Internet hat uns in nie dagewesenem Maße eine »entkörperlichte« und »entpersönlichte« Kommunikation ermöglicht.

Dabei ist Sprache das, was unser Bewusstsein formt und umgekehrt. Wenn Sprache instrumentalisert, ökonomisiert, ideologisiert und gewalttätig wird, dann auch unser Bewusstsein und damit unser Umgang mit dem Leben und der Welt. Robert Habeck, der Bundesvorsitzende der Grünen, weist auf diesen Zusammenhang hin und analysiert in seinem neuen Buch was geschieht, wenn bestimmte Worte wie »Gesinnungsdiktatur«, »Asyltourismus«, »Überfremdung« und »Volksverrat« Teil unseres politischen Wortschatzes werden. Dann werden Empathie, Mitgefühl, Vernunft und Respekt untergraben, die für unser Gemeinwesen essenziell sind. Natürlich kann man die neuen Medien nicht allein für diese Entwicklung verantwortlich machen, aber sie bieten doch Räume, in denen solche Grenzüberschreitungen anonym erprobt werden können. Und die ökonomische und politische Logik im Kampf um die Aufmerksamkeit bringt Medien und Parteien dazu, solche grenzüberschreitenden Worte aufzugreifen, weil sie Klickraten bzw. (vermeintlich) Zustimmungswerte erhöhen.

Interessanterweise könnte aber einer der Gründe für die momentanen Wahlerfolge der Grünen die »Überwindung des spaltenden Sprechens, des Schneidenden, des Krakeelens und des Kanzelpredigens« sein, wie die »TAZ« kürzlich bemerkte. Hier wird ein »reparatives Sprechen« versucht, das sich nicht von anderen Sichtweisen abgrenzt, sondern sie zum Anlass nimmt, mit der eigenen Sicht darauf zu antworten. Habeck will deshalb eine »Poetik des demokratischen Sprechens« beleben, die den konstruktiven Streit gegen eine trennende und entmenschlichende Sprache abgrenzt. Eine offene Sprache, die Raum lässt für den respektvollen Dialog unterschiedlicher Meinungen und die vor allem im anderen immer den Menschen sieht – das Menschsein, das uns trotz aller Unterschiede verbindet. Und, so Habeck, »eine lebendige Sprache ringt immer wieder neu um Verständnis und Verstehen.«

Das Netz zum Leuchten bringen

Eine besonders kraftvolle Form des lebendigen, menschlich verbindenden Sprechens ist für mich die Poesie. Poetische Sprache lebt aus der Verbundenheit und dem Offenlassen des anderen, dem ich begegne, sei es ein Mensch, ein Baum oder ein Ereignis. Wenn ich poetisch spreche, will ich das Angesprochene nicht dinglich fassen und feststellen, sondern das Geheimnis des Lebens, das darin atmet, erspüren und ansprechen. Es ist ein vorsichtiger Umgang mit Worten, der mein Sprechen einer technischen und instrumentellen Verfügbarkeit entzieht. Poetisches Sprechen entspringt letztlich unserer gemeinsamen menschlichen Erfahrung und versucht, sie uns zu vergegenwärtigen. Wenn wir poetische Worte nachempfinden, begeben wir uns in den Sprachraum unserer Verbundenheit mit den Menschen und unserer Welt.

In ihrem Buch »Alles, was leuchtet« schreiben Hubert Dreyfus und Sean Kelly, die angemessene Reaktion auf die Gefahren des Technischen sei nicht, »die Ablehnung der Technik als solcher, sondern die Akzeptanz des technischen Fortschritts unter der gleichzeitigen Wahrung aller poietischen Sitten und Gebräuche, die sich einer ausschließlich von Technik bestimmten Lebensweise in den Weg stellen.« Mit dieser poietischen Lebenshaltung meinen sie auch »das Gefühl, die Welt kultivieren und die notwendigen Kunstfertigkeiten entwickeln zu können, um sie leuchten zu lassen.« Damit sprechen sie vor allem auch unsere menschlichen schöpferischen Fähigkeiten an, die im Kern des Poetischen wirken. Poesie kann die Welt verwandeln. Kann sie auch die Welt der digitalen Medien verwandeln, gar zum Leuchten bringen? Oder das in ihnen enthaltene Leuchten freilegen und stärken? Aber was ist dieses Leuchten? Hinter der Trennung, dem Hass und der Unwahrheit, zu denen diese Medien heute vielfach genutzt werden, liegt vielleicht immer noch das Leuchten der Verbundenheit.

Poetisches Sprechen entspringt letztlich unserer gemeinsamen menschlichen Erfahrung.

Teilhard de Chardin nannte drei Merkmale der Planetisation: die Formung eines kollektiven Gedächtnisses, die Entwicklung eines die Erde einhüllenden Nervennetzes, in dem sich unser Denken überträgt und die »Emergenz einer Fähigkeit des gemeinsamen Sehens«, das uns neue Potenziale unseres Seins eröffnet. Bei den News über die Schattenseiten des Internets sollten wir nicht vergessen, in welcher Weise die digitale Sphäre der nonlokale Ort ist, wo sich diese Ausdrucksformen heute schon verwirklichen. Seien es die vielen Projekte des Online­Learnings wie MOOCs (Massive Open Online Courses), die Nutzung der Zoom­Technologie für Online­Kongresse, die gerade Hochkonjunktur haben, Online­Experimente mit Wir­Erfahrungen oder die weltweiten U­Labs. Oder auch die Projekte mit einem subtilen Aktivismus, in dem Menschen gemeinsam ihre Aufmerksamkeit – oft vermittelt über das Internet – auf ein bestimmtes politisches oder soziales Thema richten. Oder Bewegungen wie Black Lives Matter, March for Our Lives oder Unteilbar sowie die vielen Portale für Online­Petitionen. Ganz zu schweigen von zahllosen Podcasts und YouTube­Videos. Wir nutzen solche und andere Mittel der Gemeinschaftsbildung so oft, dass sie schon selbstverständlich geworden sind.

Letztlich geht es hier zunächst auch um unsere bewusste Nutzung dieser Medien für eine Kultur der Verbundenheit, in der eine lebendige und manchmal gar poetische Sprache den technischen Raum lebendiger werden lässt und vielleicht gar poetisiert und darin das »Leuchten« sucht. Daneben wird es, wie von Dreyfus und Kelly angesprochen, die Verbindung dieser Online­Begegnungen mit verkörperter Erfahrung sein, die dem Technischen seinen Platz im Menschlichen gibt, und nicht umgekehrt.

Ein aktuelles Beispiel dazu sind vielleicht die Proteste gegen die Rodung im Hambacher Forst. Aktivisten vor Ort, die uns wieder an den Wert und die Würde eines Waldes erinnern, hinter denen online immer mehr Menschen standen, die sich vernetzten, und dann in verkörperten Waldspaziergängen einer letztlich poetischen Vision eines anderen Umgangs mit dem Leben der Natur Ausdruck gaben. Es ging nicht mehr nur um den »Hambi«, sondern um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.

Gemeinsames Sehen

Teilhard sah die Entwicklung der Noosphäre und damit die des kollektiven Bewusstseins der Menschheit in einem Prozess der Intensivierung und »Erhitzung«. Die Intensität des Kulturkampfes, den wir gerade erleben, scheint ihm Recht zu geben. Für ihn war eine Folge dieser Erhitzung, dass Grenzen zwischen den Menschen zerschmelzen und wir einander näher kommen, was auch zu Konflikten führen wird. Limberg und Barnes ordnen den Stand unserer Noosphäre mit dem Phasenmodell für Gruppendynamiken des Psychologen Bruce Tuckman ein. Er erklärt, dass Gruppen mit einer Phase der Formierung (Forming) beginnen, gefolgt vom Stürmen (Storming), wonach eine Phase der Normierung (Norming) und schließlich der Ausführung (Performing) wirkt. Sie sehen das Internet und die neuen Medien heute in der Phase des Sturmes, aus der wir den Weg in die Normierung finden müssen. Hierbei wird eine offene, menschliche, dialogische Sprache eine entscheidende Rolle spielen.

Der nächste Schritt in der Evolution der Noosphäre wird von schöpferischen Gestaltern – also uns allen – abhängen, die der Polarisierung den Dialog entgegensetzen, die lernen, Mediatoren zwischen verschiedenen Sichtweisen zu sein, die Räume der poetischen Verbundenheit eröffnen, die online und offline Biotope schaffen, in denen wir das »gemeinsame Sehen« praktizieren, damit neue Lösungshorizonte emergieren können. In solch einer Dynamik könnte sich mehr und mehr das Erwachen der Noosphäre vollziehen, das Teilhard als unsere evolutionäre Möglichkeit und Aufgabe sah. Es war seine poetische Vision eines von Liebe durchdrungenen Kosmos. Denn Teilhard betont, dass die Planetisation nicht nur eine äußere Gegebenheit oder Notwendigkeit ist, weil die Globalisierung sie fordert, sondern vielmehr, dass hierin eine vom »›Geist der Evolution‹ beseelte menschliche Masse« wirkt: eine »(fast anbetende) Sympathie aller Elemente … für die Bewegung, die sie mitreißt« und »eine (ganz brüderliche) Sympathie jedes Elementes … für das, was sich an Ursprünglichstem und Unmittelbarsten in jedem der Ko­Elemente verbirgt.«

Author:
Mike Kauschke
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