Meditation durch Technik

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Interview
Published On:

August 1, 2014

Featuring:
John Dupuy
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Issue:
Ausgabe 03 / 2014
|
August 2014
Maschinen meditieren nicht
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Ein Interview mit John Dupuy über Möglichkeiten und Grenzen von „Meditationstechnologien“


Der Psychologe John Dupuy nutzt in „Integral Recovery“, seinem Ansatz zur Arbeit mit Suchtkranken, der psychologische Beratung, Ernährungsumstellung und sportliches Training beinhaltet, auch eine „Meditationstechnologie“. Wir sprachen mit ihm über seine Erfahrungen mit dieser Form meditativer Praxis und die Frage, ob durch technologiegestütztes Meditieren nicht auch etwas verloren geht.

evolve: Sie arbeiten mit einer Meditationstechnik mit Menschen in der ganzen Welt. Was meinen Sie, welchen besonderen Nutzen diese Methode aufweist?

John Dupuy: Der Vorteil dabei ist, dass es den Meditationsprozess demokratisiert. Mit anderen Worten: Viele von uns wissen, dass Meditation eine gute Idee ist, aber es bedarf einer langen Meditationspraxis, um die Ergebnisse zu spüren. Aber mit dieser Methode können wir schneller die Wirkung der Meditation in unserem Leben erfahren.

e: Denken Sie, es mangelt technologiebasierten Meditationsprogrammen an der tieferen existentiellen Dimension traditioneller Ansätze, bei denen es von der Intention und Freiheit des Übenden abhängt, sich in der Praxis wirklich zu entwickeln?

JD: Nein, ich denke Intention ist der Kern einer jeden Meditationspraxis, und sie entwickelt sich auch weiter. Häufig kommen Menschen zur Meditation aus einem Leidensdruck heraus, sei es durch eine Depression, eine Abhängigkeit oder Hunger nach Spiritualität. Aber während der Praxis wird die Intention klarer und entwickelt sich. Die Methode kann zu bestimmten meditativen Zuständen führen, aber dann liegt es an uns, was wir damit machen. Es ist wie das Betreten eines Raumes, denn was wir in dem Raum tun, liegt völlig bei uns. Die Methode macht den Zustand verfügbar, aber dann liegt es an uns, ob wir aktiv mit eine spirituelle Praxis üben, den Klängen passiv zuhören oder an etwas Alltägliches denken. Je nachdem wird das die Wirkung dramatisch ändern. Es gibt also das gleiche Maß an Freiheit wie in einer traditionellen Meditation. Es bleibt eine Praxis, die Selbstverpflichtung erfordert. Und wie bei jeder Praxis liegt die wirkliche Prüfung darin, wie sie unser Bewusstsein verändert – nicht nur, wenn man auf dem Kissen sitzt, sondern auch während des Alltags.

Die akustischen Signale können zu bestimmten meditativen Zuständen führen, aber es liegt an uns, was wir damit machen.

e: In der meditativen Praxis können wir auch eine geheimnisvolle Dimension erfahren, die nicht nur ein bestimmter Zustand ist – wie auch immer man das bezeichnen möchte, das Göttliche oder Leerheit. Denken Sie, dass dies auch bei der Nutzung von Meditationstechnologie geschieht?

JD: Es ist immer noch spirituelle Praxis. Manchmal nenne ich es „technische Gnade“, da man aus nicht-dualistischer Sicht sagen könnte, dass das gleiche Universum, das den Buddha geschaffen hat, ebenfalls diese Methode hervorgebracht hat. Es ist ein anderer kreativer Ausdruck von Menschen, die erwachen möchten. Heute wissen wir so viel über das Gehirn und den Einfluss von Geräuschen auf Gehirnwellen, was zu Zeiten des Buddha nicht bekannt war. In traditioneller Meditation verwendet man die Konzentration auf den Atem, was in gewisser Weise eine innerliche Methode ist. Bei dieser Meditation mit binauralen Taktschlägen besteht jedoch die gleiche Motivation. Es ersetzt jedoch nicht die Weisheit der Traditionen. Denn wenn man diese tiefen Zustände erreicht, bedarf es immer noch der Einsichten dieser Traditionen, um seine Erfahrungen zu verstehen.

Author:
Mike Kauschke
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