Bedrohtes indigenes Wissen
Sara Whitewater ist eine Älteste und Medizinfrau vom Volk der Navajo, die versucht, die traditionellen Zeremonien an die nachfolgende Generation weiterzugeben – gegen viele Schwierigkeiten. Wir sprachen mit ihr über die Herausforderungen bei der Wahrung einer heiligen Tradition.
evolve: Wie geben Sie in Ihrer Kultur das traditionelle Wissen an die nächste Generation weiter?
Sara Whitewater: Ich bin sehr traditionell aufgewachsen. Meine Großmutter und meine Tante waren diejenigen, die mir sagten, was ich tun und lassen soll. Wir haben ein aus mehreren Clans bestehendes Clan-System. Mein Clan besteht aus meiner Mutter, meinem Vater und deren Eltern. Das ist die Tradition. Ich halte immer noch an den alten Traditionen fest und ich mache mir Sorgen, dass die Heiligen Wege nicht an die nächste Generation weitergegeben werden. Denn die jüngere Generation spricht häufig nicht unsere Sprache und nimmt die heiligen Zeremonien nicht mehr ernst. Für sie gehört das alles der Vergangenheit an, die lange zurück liegt.
Mein Vater war ein Medizinmann. Von ihm habe ich die verschiedenen Zeremonien gelernt. Zum Beispiel beten wir mit den gelben Maispollen für eine gute Ernte. Die jüngere Generation versteht den Sinn solcher Rituale nicht. Sie versteht auch nicht, was eine Heilungszeremonie ist. Mein Enkel ist 11 Jahre alt und ich versuche, ihm die Bedeutung zu erklären, aber er hat viele Fragen. Ich versuche es ihm zu erklären, aber es fällt ihm schwer zu verstehen, wovon ich spreche.
Bedrohtes indigenes Wissen
Sara Whitewater ist eine Älteste und Medizinfrau vom Volk der Navajo, die versucht, die traditionellen Zeremonien an die nachfolgende Generation weiterzugeben – gegen viele Schwierigkeiten. Wir sprachen mit ihr über die Herausforderungen bei der Wahrung einer heiligen Tradition.
evolve: Wie geben Sie in Ihrer Kultur das traditionelle Wissen an die nächste Generation weiter?
Sara Whitewater: Ich bin sehr traditionell aufgewachsen. Meine Großmutter und meine Tante waren diejenigen, die mir sagten, was ich tun und lassen soll. Wir haben ein aus mehreren Clans bestehendes Clan-System. Mein Clan besteht aus meiner Mutter, meinem Vater und deren Eltern. Das ist die Tradition. Ich halte immer noch an den alten Traditionen fest und ich mache mir Sorgen, dass die Heiligen Wege nicht an die nächste Generation weitergegeben werden. Denn die jüngere Generation spricht häufig nicht unsere Sprache und nimmt die heiligen Zeremonien nicht mehr ernst. Für sie gehört das alles der Vergangenheit an, die lange zurück liegt.
Mein Vater war ein Medizinmann. Von ihm habe ich die verschiedenen Zeremonien gelernt. Zum Beispiel beten wir mit den gelben Maispollen für eine gute Ernte. Die jüngere Generation versteht den Sinn solcher Rituale nicht. Sie versteht auch nicht, was eine Heilungszeremonie ist. Mein Enkel ist 11 Jahre alt und ich versuche, ihm die Bedeutung zu erklären, aber er hat viele Fragen. Ich versuche es ihm zu erklären, aber es fällt ihm schwer zu verstehen, wovon ich spreche.
e: Wie sind Sie Medizinfrau geworden? Hat Ihr Vater Sie unterrichtet?
SW: Mein Vater und eine Älteste, die ich Mutter nenne. Sie ist eine Medizinfrau und führt viele Heilungen durch. Sie ist diejenige, die mich gelehrt hat, eine Medizinfrau zu sein. Seit ich meinen Mann kennenlernte, der auch ein Medizinmann ist, reisen wir manchmal zusammen. Aber er ist auch allein unterwegs, um bei Zeremonien oder Gebeten zu helfen oder mit einzelnen Menschen zu sprechen. Außerdem kommen Menschen hierher und bitten um Heilung und Gebet für alle möglichen Probleme. Und wir versuchen, ihnen zu helfen. Wir alle brauchen Hilfe, wenn wir mit Problemen zu kämpfen haben. Wir beten für sie oder mit ihnen und versuchen, sie auf den richtigen Pfad zu bringen.
»Die Sprache ist unsere Tradition, sie ist ein Teil von uns – sie ist das, was wir sind.«
e: Und sehen Sie jemanden in Ihrem Stamm, in Ihrem Clan, an den Sie Ihr Wissen weitergeben könnten?
SW: Ja, wir unterrichten meinen Enkel. Mein Mann hat einige seiner Gebete an seine Brüder und andere Verwandte weitergegeben, damit auch sie praktizieren und Menschen helfen können. Damit das heilige Wissen weitergegeben werden kann, müssen wir unsere Sprache am Leben erhalten. Wir versuchen sicherzustellen, dass die öffentliche Schule im Reservat einen Navajo-Sprachkurs anbietet, damit die Kinder die Sprache und die Traditionen lernen können. Wir hoffen und beten, dass die jüngere Generation das, was die Schule ihr über unsere Tradition beibringt, aufnimmt. Die Sprache ist unsere Tradition, sie ist unsere Kultur, sie ist ein Teil von uns – sie ist das, was wir sind.
Viele Menschen von außerhalb sind sehr an unserer Kultur interessiert und wollen von uns lernen. Sie nehmen an einem Webkurs teil oder lernen, wie man Mokassins herstellt oder die traditionelle Kleidung näht. Weiße Menschen vieler Nationalitäten wollen lernen und sie lernen oft schneller als unsere eigenen Leute.
e: Das muss Ihnen seltsam vorkommen und schwer für Sie sein. Sie wollen nicht, dass die traditionellen Bräuche aussterben, aber die Menschen, die sich dafür interessieren, sind nicht Menschen Ihres eigenen Volkes. Das ist traurig.
SW: Ja, das ist es. Sie lernen etwas von uns, und dann machen sie ihr eigenes Geschäft damit. Das ist unfair. Es wird keine Gegenseitigkeit, kein Zurückgeben gepflegt. Deshalb bin ich auch sehr vorsichtig mit dem, was ich weitergebe. Ich bin eine sehr traditionelle Navajo-Medizinfrau.
e: Das ist interessant, denn in der weißen Siedlerkultur gibt es heute so viele junge Menschen, die nach Heiligen Wegen suchen, weil ihre eigene Kultur so leer von tieferer Bedeutung, tieferem Geist und tieferer Verbindung mit den Ahnen, mit dem Leben an sich geworden ist. Motiviert das Interesse anderer Kulturen an Ihren Heiligen Wegen Ihre eigenen jungen Menschen?
SW: Einige von ihnen. Ich habe noch einen Enkel, er ist 20 Jahre alt und sehr daran interessiert, die zeremonielle, traditionelle Form der Heilung zu lernen. Er ist bereits sehr engagiert beteiligt, wenn Zeremonien stattfinden. Er lernt von einem guten Medizinmann. Er fühlt sich also wirklich unserer Tradition verbunden. Auch mein Cousin, der nebenan wohnt, ist ein junger Mann, der die Schule nicht beendet hat, weil er lernen wollte, ein Medizinmann zu sein. Er ist inzwischen erwachsen und hat eine eigene Familie.
Einige Menschen der jüngeren Generation sind daran interessiert, etwas über das traditionelle Wissen zu lernen. Wenn ich unterwegs bin, habe ich den Eindruck, dass das Interesse an Heiligen Wegen zunimmt. Ich hoffe, dass unsere Tradition fortbesteht und dass sie von den Nachkommen weitergeführt wird.
Denn es gibt auch sehr starke destruktive Einflüsse. Hier im Reservat der Navajo Nation kommen Menschen von außerhalb und bringen Drogen und billigen Alkohol. Das ist illegal, aber unsere Strafverfolgungsbehörden kümmern sich nicht sehr effektiv um uns. Wir haben eine Menge Probleme mit Alkoholismus bei jungen und alten Menschen. Wir verlieren viele Menschen an Leberzirrhose und dergleichen.
Außerdem zerbrechen die Familien daran. Viele Kinder werden von ihren Eltern im Stich gelassen, und es gibt einige Kinder, die niemanden haben, der sich um sie kümmert. Es ist wirklich traurig, was hier vor sich geht. Die Child Protective Services arbeiten nicht sehr wirkungsvoll, und einige der lokalen Büros werden geschlossen, weil es keine Finanzierung mehr gibt.
e: Verlassen viele junge Leute das Reservat?
SW: Ja, das tun sie, weil sie studieren wollen. Einige von ihnen suchen auch nach besseren Möglichkeiten in der Stadt. Aber viele von ihnen kommen zurück, weil die Miete in der Stadt so teuer ist. Auch ich habe lange Zeit in der Stadt gelebt. Ich kam zurück, um mich um meinen Vater zu kümmern, und das brachte mich zurück zur Navajo Nation.
Auf Wunsch der Interviewpartnerin verwenden wir für ihren Namen ein Synonym.