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Eine Besprechung des Filmes »Rettet das Dorf« von Teresa Distelberger
Ländliche Regionen stehen unter Druck. Bessere Arbeitsmöglichkeiten, viele Erleichterungen des Alltags wie kurze Wege und die kulturellen Angebote ziehen Menschen in die Städte. In Dörfern fällt es schwer, eine lebendige Zukunft zu gestalten, weil die jungen Menschen, die diese Zukunft sind, abwandern. Dieses Phänomen, das uns zu unserer evolve-Ausgabe »Stadt und Land« inspirierte, sehen wir in ganz Europa und vielfach auch in Deutschland in Regionen wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt oder auch in Österreich. Peter Kaltenegger, stellvertretender Abteilungsleiter der Generaldirektion Landwirtschaft der EU, erklärt: »Wir leben seit einigen Jahrzehnten die Globalisierung, und die konzentriert sich auf Ballungszentren.
Dörfer, die rund um Ballungszentren sind, profitieren. Das ist wie ein Schwarzes Loch, diese Ballungszentren ziehen alles ab, ziehen Intelligenz, Geld, Fachwissen ab. Und alles, was abseits von diesen Zentren liegt, kommt unter die Räder. Der Verlust der Vitalität im ländlichen Raum, der Niedergang der Dörfer, ist in Europa überall zu erkennen. Und damit ist natürlich auch verbunden, dass die Menschen dort das Gefühl haben, dass sie wirklich zurückbleiben, auch in der Beachtung, in der Zuwendung.«
Peter Kaltenegger ist einer der Protagonisten des Dokumentarfilms »Rettet das Dorf«. Er pendelt zwischen Brüssel und einem Dorf in der Steiermark, in dem er aufgewachsen ist, wo er sich zuhause fühlt und mit seiner Familie einen Lebensimpuls einbringen möchte. In ihrem Film porträtiert die Regisseurin Teresa Distelberger ganz verschiedene Menschen in Dörfern Österreichs, die dort mit Kreativität und Lebensmut Zukunftsvisionen umsetzen. Dabei bleibt der Film zurückhaltend, es gibt keine Stimme aus dem Off, keine kontextgebende Geschichte, der Film spricht durch die Menschen. Diese sind so unterschiedlich wie eine Landärztin, die die Nähe zu den Menschen wertschätzt, eine Schulleiterin, die eine Dorfschule verteidigt, ein parteiloser Bürgermeister, der jenseits von Parteipolitik auf den Dialog setzt, ein junger Unternehmer, der sich mit seiner Firma im Dorf angesiedelt hat, ein junger Bergbauer,der die traditionelle Landwirtschaft bewahren möchte, oder eine Unternehmerin, die mit ihrem Netzwerk ein Dorf wiederzubeleben versucht. Was sie alle vereint, ist der Wunsch, den Lebensraum Dorf zu erhalten und neu zu gestalten. Einige bewegt dabei der Impuls, das gewachsene Leben des Dorfes zu bewahren, andere suchen nach Innovationen, um auch junge Menschen aus den Städten für ein Leben auf dem Land zu begeistern. Darin verbindet sie die Wertschätzung des Lebens auf dem Land, vor allem die Nähe, die zu Verbundenheit und Verantwortungsgefühl für einen Ort werden kann. Im Dorf umfasst diese Nähe oft auch Menschen mit ganz anderer Lebenseinstellung. Die Dorfaktivistin Teresa Steininger sieht hier einen besonderen Wert der Dörfer: »Dörfer nehmen gesamtgesellschaftlich eine sehr wichtige Funktion ein, weil sie eine ganz enge Beziehung untereinander und mit anderen Menschen außerhalb der eigenen Blase ermöglichen. Ich halte es für enorm wichtig für das Miteinander, für den Austausch und auch für das Gleichgewicht, dass man einen Dialog hat der Generationen, der unterschiedlichsten Hintergründe – und das hat man im Dorf einfach.«
VIELE UNSERER KONFLIKTE HABEN AUCH MIT DER MENSCHLICHEN FERNE UND FRAGMENTIERUNG ZU TUN.
Ohne das Dorfleben zu romantisieren oder es gegen die Stadt abzugrenzen, zeigt »Rettet das Dorf« unaufdringlich aber eindrücklich und in respektvoller Nähe, wie durch kreative und begeisterte Menschen ländliche Räume wieder oder neu belebt werden. Dabei wird klar, wie wichtig sie für das Gesamtgeflecht der Gesellschaft sind, vor allem in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung. Denn viele unserer Konflikte scheinen auch mit der menschlichen Ferne und Fragmentierung zu tun zu haben: Wenn ich Menschen nicht kenne, ihnen nicht begegne, dann wachsen Vorannahmen und Vorurteile. Extrem sehen wir es in den einander bekämpfenden Filterblasen des Internets. Und wenn ich Natur nicht unmittelbar erlebe, dann wird der Schutz des Lebensraums leicht zu einer abstrakten Forderung. Das Dorf durchschneidet potenziell diese Abgrenzungen mit einer menschlichen Nähe und der gemeinsamen Sorge um einen konkreten Ort. Vielleicht sind das einige der Zukunftskompetenzen, die wir vom Land lernen können und bewahren und neu gestalten sollten.
Als Bildungswissenschaftler beschäftigt sich Zak Stein mit der Rolle der Bildung im Kontext der Metakrise und der Technologie. Eine der größten Herausforderungen sieht er darin, wie Werte, Wissen und Weisheit zwischen den Generationen weitergegeben werden.
Sara Whitewater ist eine Älteste und Medizinfrau vom Volk der Navajo, die versucht, die traditionellen Zeremonien an die nachfolgende Generation weiterzugeben – gegen viele Schwierigkeiten. Wir sprachen mit ihr über die Herausforderungen bei der Wahrung einer heiligen Tradition.
Als Journalist hat Raphael Thelen für große Magazine wie »Der Spiegel« und »Die Zeit« aus Kriegsgebieten und zuletzt über die Folgen des Klimawandels aus verschiedenen Teilen der Welt berichtet. Vor zweieinhalb Jahren entschied er sich, zur Letzten Generation zu gehen, die sich vor Kurzem in die Neue Generation umbenannt hat. Wir sprachen mit ihm über einen Aktivismus im Dialog der Generationen und die junge Energie der Revolution.