Editorial 51/2026

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Editorial
Publiziert am:

July 12, 2026

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AUSGABE:
51
|
July 2026
Leben mit Licht und Schatten
Diese Ausgabe erkunden

Licht und Schatten begleiten unser Sein. Diese Polarität ist der Existenz eingeschrieben: Tag und Nacht, Leben und Tod. Aber es geschieht sehr schnell, dass aus diesen Polen eine Dualität wird, die auch moralisch konnotiert wird: gut und schlecht oder gar böse. Wir wollen das eine, aber lehnen das andere ab, oder bekämpfen es vermeintlich im Außen.

Diese Dynamiken, die unsere Menschheitsgeschichte immer wieder geprägt haben, sind auch heute weithin sichtbar. Es mehrt sich der Eindruck, dass wir in einer dunklen Zeit leben oder in sie eintreten, wo uns doch so viel Licht wie nie zur Verfügung steht – als Wissen, Erkenntnis, globale Verbindungen, technologische Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensbedingungen.

Aber die Frage nach Licht und Schatten richtet sich vor allem an unser Bewusstsein. Offensichtlich haben wir als Menschen in einem größeren sozialen Rahmen bisher nicht gelernt, heilsam und lebensdienlich mit dem Licht und Dunkel unseres Daseins umzugehen. Deshalb scheint es die Aufgabe einer neuen Bewusstseinskultur zu sein, hier andere, integrierende Wege aufzuzeigen.

Diese Gedanken bewegten wir in unserer Redaktion und sie führten zu der Überlegung, diesem Thema eine Ausgabe zu widmen. Dabei ist es natürlich immer vom Kontext und den jeweiligen Bezügen abhängig, was wir mit Licht und Schatten meinen. Und wie Sie sehen werden, haben wir versucht, uns dieser Dynamik aus ganz verschiedenen Blickwinkeln zu nähern, um die Frage nach Licht und Schatten immer wieder neu zu stellen.

Die Entscheidung für dieses Thema kam auch daher, dass wir im Oktober zu einer Veranstaltung in Linz einladen, bei der wir unseres Herausgebers Thomas Steininger zu seinem ersten Todestag gedenken. Diese Konferenz, die in ihrer Form an die Herbstakademien anknüpft, die wir bis vor 10 Jahren gemeinsam mit Freunden veranstaltet haben, trägt den gleichen Titel wie diese Ausgabe. Thomas beschäftigte bis zu seinem Tod die schicksalhafte Fügung, dass er in Linz geboren wurde, der Stadt, in der Anton Bruckner erhabene symphonische Werke schuf und gleichzeitig Hitler seine Jugend verbrachte und in seinem Denken geprägt wurde. Für Thomas war es zeitlebens eine existenzielle Frage, wie wir uns dem Licht und Dunkel unserer menschlichen Möglichkeiten in uns und in unserer Kultur stellen können.

In ihrem Leitartikel folgt Elizabeth ­Debold dieser Frage und zeigt auf, wie uns hier auch ein entwicklungsgeschichtlicher Blick helfen kann. Denn das Licht einer Zeit kann, wenn es sich absolut setzt, das Dunkel einer neuen Epoche hervorbringen. In Anlehnung an die Malweise des »Chiaroscuro«, bei der mit dem Kontrast von Hell und Dunkel gearbeitet wird, erforscht sie, wie eine Kultur aussehen könnte, die auf Ganzheit und nicht auf Trennung basiert.

Welche inneren Fähigkeiten wir ausbilden können, um die Ganzwerdung zu befördern, untersuchen wir im Interview mit Stefan Ruf. Er ist Facharzt für Psychosomatische/Psychotherapeutische Medizin und leitet die Mäander-Jugendhilfe für schwer traumatisierte Jugendliche. Der Religionswissenschaftler und Ökologe John Grim findet in unserem Interview Impulse für eine solche Integration in der Dynamik der evolutionären Entfaltung und im Taoismus.

Auch die Mystikerin Cynthia ­Bourgeault reflektiert über Licht und Dunkel vor dem Hintergrund unserer Bewusstseinsevolution. Dabei eröffnet sie einen neuen Blick auf unsere Erfahrung des Leidens. Die spirituelle Bedeutung des Schmerzes bewegte die Philosophin und Mystikerin Edith Stein, mit der sich Thomas Steininger bis kurz vor seinem Tod intensiv beschäftigte. Dabei halfen ihm Beiträge der Philosophin und Theologin Hanna Barbara Gerl-­Falkovitz, die als eine umfassende Kennerin des Lebens und Wirkens Edith Steins gilt. Mit Prof. Gerl-Falkovitz folgen wir unter anderem den existenziellen Hinweisen Edith Steins zu Erfahrungen einer inneren Nacht.

Über den Umgang mit Licht und Schatten in der buddhistischen Tradition spricht der Religionswissenschaftler Andy Rotman, der mit vielen Lehrern des Buddhismus praktiziert hat. Eine indigene Perspektive eröffnet uns die südafrikanische Heilerin Vuyi Qubeka.

Bei allen Zugängen zu Licht und Schatten in unserem Leben ist eine ausgeprägte Unterscheidungsfähigkeit vonnöten. Darauf verweist der Philosoph und Filmemacher Rüdiger Sünner in unserem Gespräch. Er hat sich mit dem Missbrauch von Spiritualität und Mythen im Nationalsozialismus beschäftigt, aber auch herausragende spirituelle Persönlichkeiten porträtiert, die einen heilsamen Bezug zu Spiritualität und Mythen gelebt haben.

Die Vielschichtigkeit unseres Themas hat es uns schwer gemacht, einen passenden Künstler zu finden, mit dessen Werken wir diese Ausgabe gestalten können. Einen Hinweis gab uns schließlich die schon erwähnte Malweise des »Chiaroscuro«. Mit Jacob Collins fanden wir einen Maler, der heute auf moderne und doch zugleich klassische Weise mit der Dynamik von Hell und Dunkel arbeitet. Vor allem auch wegen der menschlichen Berührtheit, die in seinen Bildern zum Ausdruck kommt, sind wir sehr froh, dass wir diese Ausgabe mit seinen Werken gestalten konnten.

Wir sind sehr gespannt, wie diese Ausgabe bei Ihnen ankommen wird und zu welchen inneren Bewegungen und Gesprächen sie führt!

Mit diesem 51. evolve Magazin befinden wir uns in einer besonderen Zeit. Nach dem Tod von Thomas Steininger gehen wir durch eine Phase des Umbruchs und der Neuorientierung. Dieser Weg ist inspirierend, aber auch herausfordernd. Gemeinsam mit befreundeten Beraterinnen und Beratern arbeiten wir intensiv an einer – auch finanziell – tragfähigen Zukunft für evolve. Wir sind überzeugt, dass das, wofür das Magazin seit vielen Jahren steht, auch weiterhin gebraucht wird – auch wenn wir heute noch nicht wissen, wie dieser Weg konkret aussehen wird.

Wenn Sie das Gefühl haben, diesen Weg mit uns gehen zu wollen, freuen wir uns sehr über Ihre Unterstützung – in welcher Form auch immer. Besonders wertvoll sind für uns regelmäßige und planbare Beiträge durch eine Fördermitgliedschaft (siehe auch unsere Anzeige auf Seite 7). Sie ermöglichen uns, die nächsten Schritte mit Zuversicht zu gestalten und machen uns Mut, den seit 50 Ausgaben von evolve begonnenen Weg weiterzugehen. Allen, die evolve bereits seit vielen Jahren als Fördermitglieder begleiten, gilt gerade jetzt unser tiefer Dank.

Herzlichst

Mike Kauschke

Redaktionsleiter

Licht und Schatten begleiten unser Sein. Diese Polarität ist der Existenz eingeschrieben: Tag und Nacht, Leben und Tod. Aber es geschieht sehr schnell, dass aus diesen Polen eine Dualität wird, die auch moralisch konnotiert wird: gut und schlecht oder gar böse. Wir wollen das eine, aber lehnen das andere ab, oder bekämpfen es vermeintlich im Außen.

Diese Dynamiken, die unsere Menschheitsgeschichte immer wieder geprägt haben, sind auch heute weithin sichtbar. Es mehrt sich der Eindruck, dass wir in einer dunklen Zeit leben oder in sie eintreten, wo uns doch so viel Licht wie nie zur Verfügung steht – als Wissen, Erkenntnis, globale Verbindungen, technologische Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensbedingungen.

Aber die Frage nach Licht und Schatten richtet sich vor allem an unser Bewusstsein. Offensichtlich haben wir als Menschen in einem größeren sozialen Rahmen bisher nicht gelernt, heilsam und lebensdienlich mit dem Licht und Dunkel unseres Daseins umzugehen. Deshalb scheint es die Aufgabe einer neuen Bewusstseinskultur zu sein, hier andere, integrierende Wege aufzuzeigen.

Diese Gedanken bewegten wir in unserer Redaktion und sie führten zu der Überlegung, diesem Thema eine Ausgabe zu widmen. Dabei ist es natürlich immer vom Kontext und den jeweiligen Bezügen abhängig, was wir mit Licht und Schatten meinen. Und wie Sie sehen werden, haben wir versucht, uns dieser Dynamik aus ganz verschiedenen Blickwinkeln zu nähern, um die Frage nach Licht und Schatten immer wieder neu zu stellen.

Die Entscheidung für dieses Thema kam auch daher, dass wir im Oktober zu einer Veranstaltung in Linz einladen, bei der wir unseres Herausgebers Thomas Steininger zu seinem ersten Todestag gedenken. Diese Konferenz, die in ihrer Form an die Herbstakademien anknüpft, die wir bis vor 10 Jahren gemeinsam mit Freunden veranstaltet haben, trägt den gleichen Titel wie diese Ausgabe. Thomas beschäftigte bis zu seinem Tod die schicksalhafte Fügung, dass er in Linz geboren wurde, der Stadt, in der Anton Bruckner erhabene symphonische Werke schuf und gleichzeitig Hitler seine Jugend verbrachte und in seinem Denken geprägt wurde. Für Thomas war es zeitlebens eine existenzielle Frage, wie wir uns dem Licht und Dunkel unserer menschlichen Möglichkeiten in uns und in unserer Kultur stellen können.

In ihrem Leitartikel folgt Elizabeth ­Debold dieser Frage und zeigt auf, wie uns hier auch ein entwicklungsgeschichtlicher Blick helfen kann. Denn das Licht einer Zeit kann, wenn es sich absolut setzt, das Dunkel einer neuen Epoche hervorbringen. In Anlehnung an die Malweise des »Chiaroscuro«, bei der mit dem Kontrast von Hell und Dunkel gearbeitet wird, erforscht sie, wie eine Kultur aussehen könnte, die auf Ganzheit und nicht auf Trennung basiert.

Welche inneren Fähigkeiten wir ausbilden können, um die Ganzwerdung zu befördern, untersuchen wir im Interview mit Stefan Ruf. Er ist Facharzt für Psychosomatische/Psychotherapeutische Medizin und leitet die Mäander-Jugendhilfe für schwer traumatisierte Jugendliche. Der Religionswissenschaftler und Ökologe John Grim findet in unserem Interview Impulse für eine solche Integration in der Dynamik der evolutionären Entfaltung und im Taoismus.

Auch die Mystikerin Cynthia ­Bourgeault reflektiert über Licht und Dunkel vor dem Hintergrund unserer Bewusstseinsevolution. Dabei eröffnet sie einen neuen Blick auf unsere Erfahrung des Leidens. Die spirituelle Bedeutung des Schmerzes bewegte die Philosophin und Mystikerin Edith Stein, mit der sich Thomas Steininger bis kurz vor seinem Tod intensiv beschäftigte. Dabei halfen ihm Beiträge der Philosophin und Theologin Hanna Barbara Gerl-­Falkovitz, die als eine umfassende Kennerin des Lebens und Wirkens Edith Steins gilt. Mit Prof. Gerl-Falkovitz folgen wir unter anderem den existenziellen Hinweisen Edith Steins zu Erfahrungen einer inneren Nacht.

Über den Umgang mit Licht und Schatten in der buddhistischen Tradition spricht der Religionswissenschaftler Andy Rotman, der mit vielen Lehrern des Buddhismus praktiziert hat. Eine indigene Perspektive eröffnet uns die südafrikanische Heilerin Vuyi Qubeka.

Bei allen Zugängen zu Licht und Schatten in unserem Leben ist eine ausgeprägte Unterscheidungsfähigkeit vonnöten. Darauf verweist der Philosoph und Filmemacher Rüdiger Sünner in unserem Gespräch. Er hat sich mit dem Missbrauch von Spiritualität und Mythen im Nationalsozialismus beschäftigt, aber auch herausragende spirituelle Persönlichkeiten porträtiert, die einen heilsamen Bezug zu Spiritualität und Mythen gelebt haben.

Die Vielschichtigkeit unseres Themas hat es uns schwer gemacht, einen passenden Künstler zu finden, mit dessen Werken wir diese Ausgabe gestalten können. Einen Hinweis gab uns schließlich die schon erwähnte Malweise des »Chiaroscuro«. Mit Jacob Collins fanden wir einen Maler, der heute auf moderne und doch zugleich klassische Weise mit der Dynamik von Hell und Dunkel arbeitet. Vor allem auch wegen der menschlichen Berührtheit, die in seinen Bildern zum Ausdruck kommt, sind wir sehr froh, dass wir diese Ausgabe mit seinen Werken gestalten konnten.

Wir sind sehr gespannt, wie diese Ausgabe bei Ihnen ankommen wird und zu welchen inneren Bewegungen und Gesprächen sie führt!

Mit diesem 51. evolve Magazin befinden wir uns in einer besonderen Zeit. Nach dem Tod von Thomas Steininger gehen wir durch eine Phase des Umbruchs und der Neuorientierung. Dieser Weg ist inspirierend, aber auch herausfordernd. Gemeinsam mit befreundeten Beraterinnen und Beratern arbeiten wir intensiv an einer – auch finanziell – tragfähigen Zukunft für evolve. Wir sind überzeugt, dass das, wofür das Magazin seit vielen Jahren steht, auch weiterhin gebraucht wird – auch wenn wir heute noch nicht wissen, wie dieser Weg konkret aussehen wird.

Wenn Sie das Gefühl haben, diesen Weg mit uns gehen zu wollen, freuen wir uns sehr über Ihre Unterstützung – in welcher Form auch immer. Besonders wertvoll sind für uns regelmäßige und planbare Beiträge durch eine Fördermitgliedschaft (siehe auch unsere Anzeige auf Seite 7). Sie ermöglichen uns, die nächsten Schritte mit Zuversicht zu gestalten und machen uns Mut, den seit 50 Ausgaben von evolve begonnenen Weg weiterzugehen. Allen, die evolve bereits seit vielen Jahren als Fördermitglieder begleiten, gilt gerade jetzt unser tiefer Dank.

Herzlichst

Mike Kauschke

Redaktionsleiter

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Mike Kauschke
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