Die Heilkraft der Kunst

Our Emotional Participation in the World
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Interview
Publiziert am:

October 19, 2025

Mit:
Nengi Omuku
Kategorien von Anfragen:
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AUSGABE:
48
|
October 2025
Die Flamme weitergeben
Diese Ausgabe erkunden

Innere Stille und Visionen der Zukunft

Nengi Omuku ist eine junge Künstlerin, die zeitweise in ihrer Heimat Nigeria und in England lebt. Sie verbindet in ihrer Malerei Techniken der nigerianischen Yoruba-Tradition mit europäischer Malerei. Zudem nutzt sie die Malerei, um psychisch kranke Menschen bei ihrer Heilung zu unterstützen.

evolve: Was war der innere Ruf oder Impuls, dich der Kunst zuzuwenden?

Nengi Omuku: Ich kam zum ersten Mal in der Schule mit Kunst in Berührung. Ich war 11 Jahre alt und wusste, dass ich das Gefühl, das ich beim Zeichnen und Malen hatte, für den Rest meines Lebens bewahren wollte. Also schrieb ich einen Brief an meine Eltern, in dem ich ihnen erklärte, dass ich Malerin werden will. In Nigeria war es zu dieser Zeit völlig ungewöhnlich, dass ein Kind den Wunsch äußerte, Künstlerin zu werden. Aber meine Eltern unterstützten mich voll und ganz, stellten mich etablierten Künstlern vor und begleiteten mich auf jedem Schritt meines Weges.

Körper im Wandel

e: Wie hast du deinen eigenen Malstil gefunden?

NO: Meine Herangehensweise an die Malerei hat sich seit meinem Eintritt in die Kunstakademie weiterentwickelt und sich mit meinen jeweiligen Wohnorten und den Einflüssen, die meine Arbeit prägen, verändert. Während meines etwa achtjährigen Studiums in England habe ich viel Zeit damit verbracht, über innere Erfahrungsräume, Gemütszustände und das Gefühl, fern von zu Hause zu sein, nachzudenken. Ich habe mich mit Fragen der Identität und den wahrgenommenen Unterschieden zwischen Menschen auseinandergesetzt, was sich in meiner Darstellung von Körpern im Wandel widerspiegelte. Körperliche Merkmale, Hautfarbe oder ethnische Zugehörigkeit ließen sich nicht festlegen; sie wurden zu amorphen Formen, die sich ständig veränderten.

»Ich verbinde mich mit meiner Imaginationskraft, um in meinen Gemälden neue Welten zu erschaffen.«

Nach meinem Umzug nach Nigeria verlagerte sich mein Fokus von meiner eigenen Innerlichkeit auf die Gemütsverfassung der Menschen um mich herum. Ich bemerkte, wie viele psychisch kranke Menschen auf den Straßen unterwegs sind, und das beunruhigte mich. Meine Aufmerksamkeit verlagerte sich von meinen persönlichen Ängsten hin zu den Erfahrungen der psychisch leidenden Menschen, die sich in ihrem inneren Chaos zurechtfinden mussten. Von da an begann sich meine Arbeit mit der kollektiven Erfahrung zu befassen, also damit, wie Gemeinschaften in Nigeria das Leben in einem postkolonialen Kontext verarbeiteten, wo Hoffnungen auf Verbesserung oft von politischen und gesellschaftlichen Unruhen, Versäumnissen der Regierung und allgegenwärtiger Korruption vereitelt werden.

Ich begann darüber nachzudenken, wie verschiedene nigerianische Gemeinschaften mit diesen Realitäten umgehen, und fühlte mich dazu gedrängt, mich malend damit zu befassen. Doch ich wollte es nicht dabei belassen. Als Malerin wollte ich der Möglichkeit nachgehen, von einer anderen Welt zu träumen – einer anderen Realität, die es im wirklichen Leben vielleicht nicht gibt. Ich verbinde mich mit meiner Imaginationskraft, um in meinen Gemälden neue Welten zu erschaffen. Diese imaginale Welt zeigt Menschen, die mit der Natur zusammenleben, ohne Hierarchien zwischen Menschen, Pflanzen und Naturelementen aufzubauen. Die Menschen wandern friedlich und entspannt durch die Landschaften. Manchmal fließen die politischen Spannungen, die ich beobachte, in meine Werke ein, während ich zu anderen Zeiten, wenn mein Geist ruhig und gelassen ist, friedliche, ruhige Landschaften male.

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Innere Stille und Visionen der Zukunft

Nengi Omuku ist eine junge Künstlerin, die zeitweise in ihrer Heimat Nigeria und in England lebt. Sie verbindet in ihrer Malerei Techniken der nigerianischen Yoruba-Tradition mit europäischer Malerei. Zudem nutzt sie die Malerei, um psychisch kranke Menschen bei ihrer Heilung zu unterstützen.

evolve: Was war der innere Ruf oder Impuls, dich der Kunst zuzuwenden?

Nengi Omuku: Ich kam zum ersten Mal in der Schule mit Kunst in Berührung. Ich war 11 Jahre alt und wusste, dass ich das Gefühl, das ich beim Zeichnen und Malen hatte, für den Rest meines Lebens bewahren wollte. Also schrieb ich einen Brief an meine Eltern, in dem ich ihnen erklärte, dass ich Malerin werden will. In Nigeria war es zu dieser Zeit völlig ungewöhnlich, dass ein Kind den Wunsch äußerte, Künstlerin zu werden. Aber meine Eltern unterstützten mich voll und ganz, stellten mich etablierten Künstlern vor und begleiteten mich auf jedem Schritt meines Weges.

Körper im Wandel

e: Wie hast du deinen eigenen Malstil gefunden?

NO: Meine Herangehensweise an die Malerei hat sich seit meinem Eintritt in die Kunstakademie weiterentwickelt und sich mit meinen jeweiligen Wohnorten und den Einflüssen, die meine Arbeit prägen, verändert. Während meines etwa achtjährigen Studiums in England habe ich viel Zeit damit verbracht, über innere Erfahrungsräume, Gemütszustände und das Gefühl, fern von zu Hause zu sein, nachzudenken. Ich habe mich mit Fragen der Identität und den wahrgenommenen Unterschieden zwischen Menschen auseinandergesetzt, was sich in meiner Darstellung von Körpern im Wandel widerspiegelte. Körperliche Merkmale, Hautfarbe oder ethnische Zugehörigkeit ließen sich nicht festlegen; sie wurden zu amorphen Formen, die sich ständig veränderten.

»Ich verbinde mich mit meiner Imaginationskraft, um in meinen Gemälden neue Welten zu erschaffen.«

Nach meinem Umzug nach Nigeria verlagerte sich mein Fokus von meiner eigenen Innerlichkeit auf die Gemütsverfassung der Menschen um mich herum. Ich bemerkte, wie viele psychisch kranke Menschen auf den Straßen unterwegs sind, und das beunruhigte mich. Meine Aufmerksamkeit verlagerte sich von meinen persönlichen Ängsten hin zu den Erfahrungen der psychisch leidenden Menschen, die sich in ihrem inneren Chaos zurechtfinden mussten. Von da an begann sich meine Arbeit mit der kollektiven Erfahrung zu befassen, also damit, wie Gemeinschaften in Nigeria das Leben in einem postkolonialen Kontext verarbeiteten, wo Hoffnungen auf Verbesserung oft von politischen und gesellschaftlichen Unruhen, Versäumnissen der Regierung und allgegenwärtiger Korruption vereitelt werden.

Ich begann darüber nachzudenken, wie verschiedene nigerianische Gemeinschaften mit diesen Realitäten umgehen, und fühlte mich dazu gedrängt, mich malend damit zu befassen. Doch ich wollte es nicht dabei belassen. Als Malerin wollte ich der Möglichkeit nachgehen, von einer anderen Welt zu träumen – einer anderen Realität, die es im wirklichen Leben vielleicht nicht gibt. Ich verbinde mich mit meiner Imaginationskraft, um in meinen Gemälden neue Welten zu erschaffen. Diese imaginale Welt zeigt Menschen, die mit der Natur zusammenleben, ohne Hierarchien zwischen Menschen, Pflanzen und Naturelementen aufzubauen. Die Menschen wandern friedlich und entspannt durch die Landschaften. Manchmal fließen die politischen Spannungen, die ich beobachte, in meine Werke ein, während ich zu anderen Zeiten, wenn mein Geist ruhig und gelassen ist, friedliche, ruhige Landschaften male.

Altes Wissen nutzen

e: Du lässt dich von der Ölmalerei und den Traditionen der indigenen Yoruba inspirieren. Wie arbeitest du mit diesen Einflüssen?

NO: Als ich an der Kunsthochschule anfing, wurde mir klar, dass Ölfarbe mein Medium ist. Die Ölmalerei wurde zu meiner Sprache, und dann stand ich vor der Herausforderung, die passende Oberfläche zu finden. Ich experimentierte mit vielen Oberflächen – von japanischem Papier über Holz bis hin zu Leinwand und Leinen – und ich erforschte die Möglichkeiten, verschiedene Oberflächen für Ölfarbe vorzubereiten.

Als ich nach Nigeria zog, begann ich mich für Materialien und Materialität zu interessieren. Ich entdeckte Vintagestoffe und traditionelle Textilien aus dem ganzen Land und bat ältere Menschen, mir ihre traditionellen Materialien zu schicken, die über Generationen weitergegeben worden waren. Ein Freund machte mich schließlich mit dem Sanyan-Stoff bekannt, dem traditionellen Webstoff der Yoruba, auf dem ich heute male.

Als ich dieses Material sah, war das fast eine spirituelle Erfahrung, es fühlte sich wie etwas an, das ich schon kannte. Der Stoff ähnelte Leinen, einer Oberfläche, mit der ich zuvor gearbeitet hatte, aber er war robuster als jedes Leinen, das ich bisher verwendet hatte. Da er altbewährt war, wusste ich, dass dieser Stoff in die Sprache der Kunstgeschichte integriert werden konnte. Ich fand heraus, wie man diese Oberfläche gut für Ölfarben vorbereiten kann, insbesondere weil sie Nähte hat.

Menschlichkeit jenseits der Unterschiede

e: Wie ordnest du deine Arbeit in den Kontext der westlichen und afrikanischen Kultur und Denkweise ein?

NO: Ich habe oft das Gefühl, dass ich Weltbürgerin bin und Einflüsse wie ein Schwamm aufnehme. Ich bin eine westafrikanische Nigerianerin, die auch in England und Europa gelebt hat und viel gereist ist. Ich respektiere viele Aspekte verschiedener Kulturen und lasse diese Einflüsse in meine Arbeit einfließen.

Die Impressionisten haben mich tief inspiriert. Ich erinnere mich, wie ich Monets Seerosen in Paris gesehen habe und eine tiefe Verbindung verspürte – zu dem, was er wohl gedacht haben mag, als er die Natur betrachtete, und zu den Emotionen, die diese Gemälde in mir hervorriefen. In Lagos, Nigeria, kommen noch andere Einflüsse hinzu. Ich bin selbst keine Yoruba, aber ich fühle mich stark mit der Geschichte des traditionellen Webstoffes, auf dem ich male, verbunden. Ich bin stolz auf das, was im vorkolonialen ­Nigeria hergestellt wurde, bevor die Fast Fashion begann, die Webtraditionen auszuhöhlen.

Ich habe einen Ort in meinem Innern gefunden, an dem ich diese beiden Kulturen miteinander verschmelzen kann, um unsere gemeinsame Menschlichkeit jenseits der Unterschiede anzusprechen, die wir uns oft aufgrund von Rasse, Kultur und Identität selbst zuschreiben. Einen Weg zu finden, wie diese scheinbar unterschiedlichen Stimmen in meiner Kunst zusammenfinden können, ist für mich zu einem Ziel geworden.

Nengi Omuku, Grace, 2023, Oil on Sanyan © courtesy of the artist

e: Wie siehst du deine Arbeit in diesem postkolonialen Kontext?

NO: Die Arbeit mit vorkolonialen Textilien hat mich sensibilisiert und mir ein tieferes Verantwortungsbewusstsein dafür vermittelt, über die postkoloniale Erfahrung zu sprechen. Ich arbeite mit Textilien, die lange vor meiner Geburt entstanden sind und aus einer Blütezeit der Produktion und Kreativität stammen, die wir in Nigeria noch immer feiern. Inspirierte Kunsthandwerker webten handgesponnene Baumwolle zu Stoffbahnen und schufen üppige Stoffe, die anlässlich von Festlichkeiten getragen wurden. Sie zeugen von einem goldenen Zeitalter der Kreativität.

»Ich möchte, dass Kunst zu einem Ort der Ruhe für den Geist wird.«

Der Unterschied heute, in dieser postkolonialen Zeit, ist das Thema, das ich als Palimpsest in die Gemälde einfließen lasse. Als Palimp­sest bezeichnet man im Allgemeinen ein antikes oder mittelalterliches Schriftstück, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt oder abgewaschen und das danach neu beschriftet wurde. Dieser Prozess der Überschreibung wird für mich beim Malen zu einem Ausdruck der Kontraste zwischen dem, was damals geschah, und dem Chaos, in dem wir heute leben. Mit diesem Prozess trauere ich um den Zustand Nigerias, den Zustand meines Landes und, im weiteren Sinne, um den Geisteszustand und die psychische Gesundheit der Gemeinschaft und der Gesellschaft insgesamt. Doch die letzte aufgetragene Schicht auf der Oberfläche ist ein Traum von der Zukunft, eine neue Realität, in der die Welt ein besserer Ort sein kann. Es fühlt sich an wie eine romantische Vollendung, die ich den Gemälden schenke.

Ein Prozess von Frage und Antwort

e: Wie findest du die Themen und Motive für deine Bilder?

NO: Die Menschen in meinen Gemälden sind oft durch Archiv- und zeitgenössische Pressefotos inspiriert. Ich arbeite zum Beispiel an einem Werk für eine Ausstellung am Ende des Jahres, in dem ich mich mit Nigeria als Ölförderland beschäftige, obwohl wir immer noch mit Treibstoffknappheit zu kämpfen haben. Das ist eine verwirrende Realität, die jeden Nigerianer, unabhängig von seinem sozioökonomischen Status, betrifft. Außerdem haben wir keine konstante Stromversorgung und sind häufig auf Kraftstoff angewiesen, um Strom zu erzeugen.

In diesem Gemälde habe ich Körper aus mehreren Fotos von Warteschlangen an Tankstellen, die ich in der Presse gefunden habe, herausgenommen und sie in eine Landschaft eingefügt. Dann habe ich die Kulisse neu interpretiert, um eine utopische, fast apokalyptische Szene zu schaffen. Der Himmel senkt sich auf die Landschaft, in der Blumen und Menschen als gleichwertig angesehen werden. Die Landschaften orientieren sich an solchen, die ich kenne. Sie beginnen in der Regel als erkennbar real, verwandeln sich aber schließlich in imaginäre Umgebungen, in denen die Farben nicht denen entsprechen, die man in der realen Welt sieht.

e: Wie sieht der Malprozess selbst aus? Hast du eine klare Vorstellung von dem Bild, das du schaffen möchtest, oder entsteht es während der Arbeit?

NO: Manchmal habe ich ein Bild vor Augen, das sich wie ein Traum anfühlt, als würde ich meine Augen schließen und innere Bilder wahrnehmen. Für das Motiv und die Komposition fertige ich eine schnelle Skizze an, um es auf Papier festzuhalten und zu sehen, wie es aussieht. Von dort aus arbeite ich mit Collagen, um die Komposition zu finden. Aber die Collage und das fertige Gemälde sehen oft ganz unterschiedlich aus.

Wenn der Malprozess beginnt, führt ein Schritt zum nächsten. Eine Entscheidung, die ich am Vortag getroffen habe, kann beeinflussen, was als Nächstes passiert. So entwickelt sich das Gemälde langsam, fast wie ein ­Frage-Antwort-Spiel, bei dem ein Pinselstrich auf den nächsten reagiert.

e: Erlebst du beim Malen einen bestimmten inneren Zustand?

NO: Wenn ich male, wird es in meinem Kopf sehr still – außer, wenn ich unter Termindruck stehe, dann bin ich nervös. Ich lehne kurzfristige Ausstellungen ab, weil ich den Malprozess genießen möchte; er wirkt heilsam für meinen Geist. Wir werden ständig mit Nachrichten über Kriege, Chaos und Katastrophen aus aller Welt konfrontiert. Das Malen wird zu einem Ort, an dem ich Ruhe finden kann.

Tor in eine andere Zukunft

e: Welche Art von Eindruck oder Wirkung stellst du dir vor, wenn Menschen deine Kunst betrachten?

NO: Ich versuche, einen Raum zu schaffen, in dem sich die Menschen beim Betrachten meiner Bilder wohlfühlen können. Als Erweiterung meiner Praxis wurde ich eingeladen, ein Wandbild für Hospital Rooms, eine Wohltätigkeitsorganisation für psychische Gesundheit in England, zu gestalten. Sie lädt Künstler ein, Wandbilder für psychiatrische Stationen zu malen und Workshops als eine Form der Therapie für Patienten, oder wie wir sie nennen, Dienstleistungsnehmer, durchzuführen. Dieses Projekt, das 2018 stattfand, war eine zutiefst transformative Erfahrung.

»Kunst kann die Welt nicht verändern, aber sie hilft, für einen Ausgleich zu sorgen.«

2019 kehrte ich nach Nigeria zurück und gründete meine eigene Stiftung, The Art of Healing. Dort machen wir dasselbe: Wir gehen in psychiatrische Abteilungen und malen Wandbilder, wobei wir Künstlerinnen aus ganz Nigeria und England beauftragen. Wir malen Wandbilder in geschlossenen psychiatrischen Intensivstationen, um den Dialog über psychische Gesundheit und Wohlbefinden zu enttabuisieren.

In Nigeria werden psychische Krankheiten oft als spiritueller Angriff oder ansteckendes Leiden angesehen, und es gibt ein großes Stigma rund um psychische Erkrankungen. Wir bringen aufstrebende und etablierte Künstler zusammen, um diese Erfahrung vom Stigma zu befreien und Gespräche über psychische Gesundheit anzustoßen. Außerdem führen wir monatliche Workshops mit Dienstleistungsnehmern als eine Form der Therapie durch. Wie ich bereits gesagt habe, spüre ich beim Malen diese Stille, und wir haben Rückmeldungen erhalten, dass Kunst dabei hilft, den Lärm in den Köpfen der Patienten während des kreativen Prozesses zu beruhigen.

Ich mache die Erfahrung, dass diese Erweiterung meiner Praxis mit The Art of Healing auch meine Arbeit im Atelier beeinflusst. Mir ist es wichtig, für Menschen solche Räume der Heilung zu schaffen. Wenn sie die Bilder betrachten – ob in Museen, in einer psychiatrischen Klinik oder zuhause –, möchte ich, dass Kunst zu einem Ort der Ruhe für den Geist wird. Ein Tor, um sich eine andere Zukunft, eine Realität jenseits unserer gegenwärtigen kollektiven Erfahrung vorzustellen.

Nengi Omuku, Still Life, 2021, Oil on Sanyan © courtesy of the artist

Einen Ausgleich schaffen

e: Ein Thema deiner Arbeit ist unsere Verbindung zur Natur. Warum ist das für dich so wichtig, und wie drückst du diese Verbindung in deinen Werken aus?

NO: Nach der Kunsthochschule war mein erster Teilzeitjob der einer Gärtnerin und Floristin in der Gärtnerei meiner Mutter. Jeden Tag ging ich von den belebten Straßen von Port Harcourt in diese wunderschöne Gartenoase, die sie geschaffen hatte – einen Garten, in dem Menschen inmitten von Pflanzen und der Natur sein konnten. Ich hatte das Glück, mein erstes Atelier in diesem Garten zu haben, obwohl mir damals noch nicht bewusst war, dass dies später direkt in meine Arbeit einfließen würde.

Damals betrachtete ich Pflanzen und Natur als etwas von meiner Malerei Getrenntes. Viele Jahre später begannen diese Welten zu verschmelzen, teilweise inspiriert durch Monets Erfahrungsreise mit Pflanzen und Blumen. Als ich seine Werke sah, wurde mir klar, dass ich mich mit Pflanzen sehr gut auskenne. Warum sollte ich die Pflanzen, die ich liebe, aus meiner Arbeit ausschließen, wenn ich sie in meine Bilder einfließen lassen und mit der Welt teilen kann?

e: Welche Rolle spielt Kunst deiner Meinung nach im aktuellen gesellschaftlichen und politischen Kontext? Wie versuchst du, mit deiner Arbeit darauf zu reagieren?

NO: Der Grund, warum ich aufgehört habe, ständig das zu wiederholen, was ich in den Nachrichten gesehen habe, ist die Erkenntnis, dass andere die Rolle übernommen haben, Böses und Chaos in die Welt zu bringen. Ich spüre den Drang, das auszugleichen, indem ich durch meine Malerei Träume, Visionen einer neuen Zukunft und einer inneren Ruhe für die Menschen in die Welt bringe. Kunst kann die Welt nicht verändern, aber sie hilft, für einen Ausgleich zu sorgen, wenn sich die Situation zu stark in Richtung Chaos neigt. Wenn meine Arbeit einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, sei es auf individueller Ebene oder durch die Arbeit, die wir mit The Art of Healing leisten, dann dient es dem Wandel hin zu einer besseren Welt.

Author:
Mike Kauschke
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