Von Paracelsus zu den Rolling Stones

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Buch/Filmbesprechung
Publiziert am:

October 19, 2025

Mit:
Helmut Kuntz
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AUSGABE:
48
|
October 2025
Die Flamme weitergeben
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Über das Buch »Sucht und Spiritualität« von Helmut Kuntz

Der Autor verspricht einen leichten Umgang mit einem schweren Thema. Er blickt auf eine über 30-jährige präventive, beratende und therapeutische Drogen- und Suchtarbeit zurück: mit Betroffenen, ihren Angehörigen und vielen anderen Menschen aus sozialen, helfenden und heilenden Arbeitsfeldern. Er sei kein bisschen müde. Das habe er nicht nur seiner guten Selbstfürsorge zu verdanken, sondern er lasse sich von der heilsamsten aller Kräfte leiten: der wohlverstandenen bedingungslosen Liebe. Wo sie ist, da sei auch Kraft, Hoffnung, Vertrauen und Licht. Die Liebe sei die beste Droge von allen und das beste Gegenmittel zu Zweifeln oder Resignation.

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Über das Buch »Sucht und Spiritualität« von Helmut Kuntz

Der Autor verspricht einen leichten Umgang mit einem schweren Thema. Er blickt auf eine über 30-jährige präventive, beratende und therapeutische Drogen- und Suchtarbeit zurück: mit Betroffenen, ihren Angehörigen und vielen anderen Menschen aus sozialen, helfenden und heilenden Arbeitsfeldern. Er sei kein bisschen müde. Das habe er nicht nur seiner guten Selbstfürsorge zu verdanken, sondern er lasse sich von der heilsamsten aller Kräfte leiten: der wohlverstandenen bedingungslosen Liebe. Wo sie ist, da sei auch Kraft, Hoffnung, Vertrauen und Licht. Die Liebe sei die beste Droge von allen und das beste Gegenmittel zu Zweifeln oder Resignation.

Als theoretische Grundlage seiner Arbeit sieht er zuerst die Krankheitslehre des Schweizer Arztes Paracelsus (1493 – 1541), dessen Verständnis des Menschen man als »ganzheitlich universell« bezeichnen kann. Noch heutzutage verleiht die deutsche Bundesärztekammer in jedem Jahr eine Paracelsus-Medaille und erinnert so daran, dass die Grundgedanken dieses herausragenden Repräsentanten seiner Zunft es weiterhin wert sind, nicht vergessen zu werden, auch wenn sie im Lichte der modernen Wissenschaft größtenteils als überholt abgetan werden. Für Paracelsus war Entgiftung die »Mutter aller Therapien«. Helmut Kuntz will altes Heilwissen neu gedacht für Menschen im Hier und Jetzt präsentieren.

»Die höheren Kräfte sind diejenigen von Licht und Liebe.«
Sucht und Spiritualität – Abhängigkeit weiter denken, neu verstehen, verbundener behandeln, Helmut KuntzErschienen im Verlag Schattauer Berlin. Broschur, 200 Seiten, 34 €

»Verändern süchtig abhängige Menschen ihren lange gewohnten Blickwinkel auf das Leben und schauen sie auf die spirituelle Dimension ihres Lebens, ist die Welt augenblicklich eine andere«, meint Kuntz. Das Wort »augenblicklich« muss wohl relativiert werden, denn die Prozesse, die zu einer imaginativen Distanzierung von der Sucht und einem neuen Klarsehen führen können, sind keine Zauberei, sondern Arbeit. Mit Vorstellungsinhalten zu Feuer, Erde, Wasser oder Luft lassen sich Imaginationen anregen, die der Autor in Anlehnung an den mystischen zypriotischen Heiler Daskalos (1912 – 1995) als »Elementale« bezeichnet und für Wahrnehmungsverfeinerungen von »Wesenheiten« oder »Gedankenformen« nutzbar machen will. Dabei geht es meist um Rückübersetzungen von Abstraktionen zum Konkreten und umgekehrt. Beispielsweise kann eine Gewohnheit als Vor- oder Übergangsstadium einer manifesten süchtigen Abhängigkeit so wahrgenommen werden, als fresse sie zunehmend die Kraft des süchtig Abhängigen mit Haut und Haaren auf. Gehen andere Menschen im sozialen Umfeld des Süchtigen nicht achtsam genug mit sich um, drohen ihre Lebenskräfte und positiven Gefühle gleich mitgefressen zu werden. In der Therapie geht es dann darum, neue Umdeutungen zu finden, die auch für eine Wiedergutmachung nach Verfehlungen nutzbar gemacht werden können.

Dabei unterscheidet Kuntz individuelle von kollektiven Elementalen. Er will dunkle Elementale nicht bekämpfen, aber durchaus bewerten, etwa mit dem Kontrast zwischen bösen, unreinen dämonischen Kräften einerseits und dienstbaren Geistern andererseits, wie sie auch als Schutzengel beschrieben werden. Es sei zweitrangig, ob man einen Schutzengel wortwörtlich nehme oder ihn mehr in der Vorstellung leben lasse. In indigenen Hochkulturen wisse man um die Existenz des sogenannten Großen Geistes. Entsprechende Vorstellungen können eine Brücke sein, hilfreiche Kräfte als gute Energien oder positive Reinigungskräfte gedanklich auszumalen. »Die höheren Kräfte sind diejenigen von Licht und Liebe, die ein dunkles Elemental mindestens neutralisieren, so dass es fortan unwirksam bleibt.« Am Beispiel überwundener Drogenkarrieren von Musikern wie dem Rolling-Stones-Gitarristen Ron Wood, aber vor allem an vielen seiner eigenen Patienten zeigt Helmut Kuntz auf, wie spirituelle Erweckungserlebnisse dazu führen können, die Geschichte einer Sucht umzuschreiben und dadurch Heilung zu finden.

Author:
Prof. Dr. Rolf Verres
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