Auf der Suche nach dem Absoluten

Our Emotional Participation in the World
English Translation
0:00
0:00
Audio Test:
Essay
Published On:

October 19, 2025

Featuring:
Categories of Inquiry:
Tags
No items found.
Issue:
48
|
October 2025
Die Flamme weitergeben
Explore this Issue

Charlie Kirk, Kollaps und Künstliche Intelligenz

Immer mehr junge Menschen sind inspiriert von fundamentalistisch religiösen Influencern wie Charlie Kirk, folgen vermehrt der traditionellen Religion, sind für nationalistische Parolen anfällig, wenden sich der KI als emotionalem Bezugspunkt zu oder bereiten sich auf den Kollaps vor. Gibt es etwas, das diese Phänomene miteinander verbindet? Was bedeutet das für die Begegnung zwischen den Generationen?

In der Folge der Ermordung von ­Charlie Kirk überschwemmten Videos und Zitate des Trump-nahen Influencers das Netz. Darunter sind auch rassistische Aussagen unter anderem über Schwarze, Frauen und Immigranten und Bekenntnisse zu einem fundamentalistischen Christentum. Wie konnte ein junger Mann mit rassistischen Ansichten solchen Zuspruch bei der Jugend finden? Die Ahnung einer Antwort fand ich in einem Gespräch von Kirk mit einem indischstämmigen Studenten. Im Gespräch wirkt Kirk, als hätte er einen klaren moralischen Kompass und spräche aus der Überzeugung und dem Glauben an eine absolute Wahrheit. Der postmodern informierte Student hingegen hat gelernt, dass die Wahrheit immer auch sozial konstruiert ist und deshalb eindeutige moralische Aussagen immer relativ zum sozialen Kontext sind.

Für Kirk war die Überzeugung, dass es eine absolute Wahrheit gibt, mit dem Glauben an Gott verbunden. In seinen Äußerungen zeigt sich aber auch die Vermischung einer ideologischen politischen Agenda mit einer religiösen Begründung, wie sie für das Christentum der Trump-Bewegung typisch geworden ist. Selbst der alte und der neue Papst fanden für diesen Missbrauch der christlichen Religion immer wieder kritische Worte, zum Beispiel in Bezug auf den Umgang mit Immigranten in den USA. Aber trotzdem scheinen das moralische Schwarz-Weiß-Denken und die Orientierung, die Kirk zum Ausdruck brachte, eine Sehnsucht in jungen Menschen anzusprechen.

Please become a member to access evolve Magazine articles.

Charlie Kirk, Kollaps und Künstliche Intelligenz

Immer mehr junge Menschen sind inspiriert von fundamentalistisch religiösen Influencern wie Charlie Kirk, folgen vermehrt der traditionellen Religion, sind für nationalistische Parolen anfällig, wenden sich der KI als emotionalem Bezugspunkt zu oder bereiten sich auf den Kollaps vor. Gibt es etwas, das diese Phänomene miteinander verbindet? Was bedeutet das für die Begegnung zwischen den Generationen?

In der Folge der Ermordung von ­Charlie Kirk überschwemmten Videos und Zitate des Trump-nahen Influencers das Netz. Darunter sind auch rassistische Aussagen unter anderem über Schwarze, Frauen und Immigranten und Bekenntnisse zu einem fundamentalistischen Christentum. Wie konnte ein junger Mann mit rassistischen Ansichten solchen Zuspruch bei der Jugend finden? Die Ahnung einer Antwort fand ich in einem Gespräch von Kirk mit einem indischstämmigen Studenten. Im Gespräch wirkt Kirk, als hätte er einen klaren moralischen Kompass und spräche aus der Überzeugung und dem Glauben an eine absolute Wahrheit. Der postmodern informierte Student hingegen hat gelernt, dass die Wahrheit immer auch sozial konstruiert ist und deshalb eindeutige moralische Aussagen immer relativ zum sozialen Kontext sind.

Für Kirk war die Überzeugung, dass es eine absolute Wahrheit gibt, mit dem Glauben an Gott verbunden. In seinen Äußerungen zeigt sich aber auch die Vermischung einer ideologischen politischen Agenda mit einer religiösen Begründung, wie sie für das Christentum der Trump-Bewegung typisch geworden ist. Selbst der alte und der neue Papst fanden für diesen Missbrauch der christlichen Religion immer wieder kritische Worte, zum Beispiel in Bezug auf den Umgang mit Immigranten in den USA. Aber trotzdem scheinen das moralische Schwarz-Weiß-Denken und die Orientierung, die Kirk zum Ausdruck brachte, eine Sehnsucht in jungen Menschen anzusprechen.

Leere im Innern

Die Entwicklung der Moderne mit Aufklärung und einem wissenschaftlichen Materialismus hat religiöse Welterklärungen und Sicherheiten hinterfragt. Die Postmoderne hat in der Folge moderne Privilegien und Machtdynamiken in Bezug auf Klassen, Geschlechter, Nationen, Kolonialismus dekonstruiert und aufgezeigt, dass Werturteile häufig relativ und kulturell konditioniert sind. Wie man damit über das Ziel hinausschießen kann, wird deutlich, wenn Kirk den Studenten in ihrem Gespräch herausfordernd fragt, ob Hitler und der Holocaust absolut böse seien. Da alle moralischen Urteile kontextgebunden sind und es keinen absoluten Bezugspunkt gibt, kann er dem nicht zustimmen.

Im Streben nach Befreiung von äußeren Dogmen und moralischen Instanzen schien es wichtig, den Glauben an eine Transzendenz, oder wie immer man sie nennt, zu dekon­struieren, weil es außerhalb dessen liegt, was die rationale Wissenschaft mit ihren Instrumenten messen kann. Darüber hinaus hat die Ablehnung der Transzendenz die Kirche ihrer Macht beraubt, die sie mit dem Bezug zu einem Gott rechtfertigte.

»Für Charlie Kirk war die Überzeugung, dass es eine absolute Wahrheit gibt, mit dem Glauben an Gott verbunden.«

Die Moderne hat aber nicht nur das Äußere entzaubert, vermessen, dem sezierenden wissenschaftlichen Blick unterworfen, sondern auch versucht, unser Inneres zu analysieren, zu manipulieren – oder gar zu leugnen, dass es in uns mehr gibt als das Feuern von Neuronen, das wir für Bewusstsein halten. Die Postmoderne hat nicht nur äußere Machtdynamiken dekonstruiert, sondern auch unser Inneres nach Verletzungen und Konditionierungen durchsucht, um uns davon zu befreien und unsere wahre Identität zu finden, die heute so vielfältig sein kann wie nie zuvor. Jede Person ganz individuell, ein eigenes Universum.

Das alles geschah mit besten, emanzipatorischen Absichten. Was aber zurückgeblieben ist, sind vereinzelte Menschen, getrennt voneinander und von der lebendigen Welt, gegeneinander in Stellung gebracht in einem kapitalistischen Wirtschafts­system, basierend auf Konkurrenz und scheiternden Glückversprechen in Konsum und sozialer Anerkennung. Auf einem Planeten, den eben dieser Kapitalismus an den Rand des ökologischen Zusammenbruchs bringt. In einer entzauberten Welt, in der es keinen Gott, keine Transzendenz mehr gibt. Was als Fortschritt gemeint war, entpuppt sich als seelische Wüste.

Kein Wunder, dass viele junge Menschen leiden, verunsichert, orientierungslos und existenziell heimatlos sind. Wie eine Studie im letzten Jahr herausfand, blicken junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren pessimistisch in die Zukunft. In der Generation Z zeigt sich zudem eine weit verbreitete seelische Belastung: Fast jeder Neunte in diesem Alter ist wegen psychischer Störungen in Behandlung.

Dafür gibt es sicher viele Gründe, aber einer davon ist vielleicht, dass eben jene Seele verwaist ist. Dieser seelische ­Mangel ist auch ein Grund dafür, dass sich gerade in der Gen Z wieder viele Menschen der Religion zuwenden.

Religion und Nation als Rebellion

Studien vor allem in England und den USA zeigen bei jungen Menschen ein steigendes Interesse an Religion. Ryan Burge, Professor für Politikwissenschaft an der Eastern Illinois University, verfolgt diese Entwicklung und macht sich Gedanken über die Gründe: »Jung zu sein bedeutet, gegen seine Eltern zu rebellieren«, sagt er. »In meiner Generation sagten viele: ›Ich bin streng katholisch oder evangelikal aufgewachsen und deshalb bin ich Atheist geworden.‹ Das war das Rebellisch­ste, was man tun konnte. Aber stellen Sie sich vor, Sie wären ein Atheist der zweiten oder dritten Generation. Wissen Sie, was das Rebellischste ist, was man tun kann? Orthodoxer Christ oder Katholik zu sein.«

Auch nationalistische Populisten setzen bei der inneren Leere und dem Sinn für Rebellion an, wenn sie die Nation als einen Bezugspunkt setzen, der den Menschen ein Gefühl der Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit vermittelt. In den vorherigen Generationen war es rebellisch, sich für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit einzusetzen, heute inszenieren sich populistische Akteure als die Rebellen gegen das Establishment. Und das kommt an. In einer aktuellen Studie »hat etwa jeder dritte junge Wähler angegeben, dass er die AfD wählt oder wählen würde«, wie der Psychologe Rüdiger Maas vom Augsburger Institut für Generationenforschung erklärt. »Über zwei Drittel derer, die AfD gewählt haben, sind zudem der festen Überzeugung, dass die Regierung gegen sie arbeitet. Dass die momentane Politik sie nicht ernst nimmt und dass sie quasi keine Rolle spielen im Spektrum der etablierten Parteien.«

Die beste Katastrophe

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums könnte die seelische Leere und Orientierungslosigkeit einer der Gründe sein, warum sich junge Aktivisten im Bewusstsein einer bevorstehenden Katastrophe miteinander verbinden wie beim kürzlich veranstalteten KollapsCamp in Brandenburg, an dem circa 1000 Menschen teilnahmen.

Engagierte in der Klimabewegung leben in der desillusionierenden Erkenntnis, dass der Versuch, das bestehende System so zum Wandel zu bewegen, dass wir wirkungsvoll auf die Klimakrise antworten, immer wieder gescheitert ist. Momentan entgleiten uns als Menschheit die Ziele, zu denen sich die Weltgemeinschaft verpflichtet hat. Es ist also kein Wunder, dass Aktivisten vom alleinigen Fokus auf die Abwendung der Klimakrise abrücken und ein anderes Ziel in den Blick nehmen: einen guten Umgang mit der Katastrophe, »die beste Katastrophe«, wie es der Aktivist und Comedian Andrew Boyd in »I Want a Better Catastrophy« nennt. Mit Kollaps und Katastrophe wird der Zusammenbruch unserer Zivilisation angesprochen. Dieser drastische Kontext eröffnet für junge Menschen einen Bezugspunkt für Sinngebung, Orientierung und existenzielle Verbundenheit.

KI weiß alles

Es gibt noch einen weiteren Bereich, dem sich junge Menschen auf der Suche nach Orientierung und Zugehörigkeit zuwenden: Künstliche Intelligenz. Wir haben hier eine Technologie geschaffen, die schon heute über mehr Wissen über uns als Menschheit verfügt als je eine Institution. Dieses Wissen beschränkt sich nicht nur auf die Datenmengen des Internets, sondern umfasst auch die emotionalen Muster unserer Interaktion damit.

Mit diesem Wissen und der sich daraus ergebenden Fähigkeit zu sinngebender und emotional berührender Interaktion wird die KI zu einer Instanz, der sich junge Menschen auf der Suche nach Verbundenheit und Beziehung zuwenden. Denn kaum ein Mensch kennt uns mittlerweile besser als die KI, die auf unsere tiefsten, uns häufig selbst nicht bewussten Bedürfnisse antworten kann.

»Heute inszenieren sich populistische Akteure als die Rebellen gegen das Establishment.«

Zudem sind unter den mächtigsten digitalen Unternehmern christliche Vorstellungen der nahenden Apokalypse eine Inspirationsquelle. So sieht es Peter Thiel, der als mächtigster Akteur hinter der Trump-Bewegung gilt, als seinen christlichen Auftrag, den Antichrist abzuwehren, der für ihn in der Idee einer Welteinheitsregierung zum Ausdruck kommt. Institutionen wie die UNO oder die EU sieht er als Schritte dorthin. Personifiziert erkennt er den Antichrist allen Ernstes in … Greta Thunberg, der jungen Klimaaktivistin von Fridays for Future. Thiel warnt vor dem Verlust der Freiheit in einem globalen Überwachungsstaat, während er selbst mit der Software Palantir durch die massenhafte KI-Verarbeitung von Personendaten die Überwachung von Menschen auf ganz neue Weise ermöglicht, um zum Beispiel illegale Einwanderer aufzuspüren. Deshalb ist es naheliegend, dass er in einem »New York Times«-Interview kürzlich gefragt wurde, ob er damit nicht dem Antichrist in die Hände spiele. Er selbst sieht die Welt in einem Endkampf zwischen Licht und Dunkelheit, die USA unter Trump und Vance als Kämpfer gegen das Böse.

Thiel hat J. D. Vance durch eine 15-Millionen-Dollar-Spende den Weg zum Vizepräsidenten geebnet. Vance gilt als Kandidat für die Position als König in einer christlichen Monarchie, einer Art »Absolutismus reloaded«, die wie aus einem verrückten Hollywood-Skript anmutet. Thiel und Vance sind die Investoren hinter der ex­trem erfolgreichen Gebets-App »Hallow«, die schon 23 Millionen Mal heruntergeladen wurde, ein Drittel der Nutzer sind unter 35. Man sieht, in der Trump-Bewegung werden fundamentalistische Religion, Nationalismus, die Angst vor der nahenden Apokalypse und eine digitale Allmacht zu einer Welterklärung mit Absolutheitsanspruch, die sich als letzte Bastion des Guten in einer Endzeit versteht und damit auch jungen Menschen Sinn, moralische Klarheit und Zugehörigkeit verspricht.

Eine säkulare Gesellschaft

In der Hinwendung zu Gott, zur Nation, zur Katastrophe oder zur KI suchen junge Menschen heute Orientierung und Zugehörigkeit. Die älteren Generationen, insbesondere die Boomer-Generation, beobachten das häufig mit Unverständnis. Diese Generationen haben in der Folge der 1968er-Bewegung das soziale und ökologische Bewusstsein hervorgebracht und die liberalen Demokratien des Westens geformt. Dabei haben sie religiöse Autoritäten und Institutionen hinterfragt und geschwächt, um eine säkulare, humanistische Gesellschaft aufzubauen.

Sie fanden eine Art transzendente Sinnorientierung und solidarische Verbundenheit im Kampf für die Befreiung aus gesellschaftlichen Normen, in Deutschland auch im Enttarnen der Nachwirkungen des Nationalsozialismus, dem Aufbau einer stabilen sozialen Demokratie oder in der Utopie einer ökologisch-sozial gerechten Gesellschaft. Weil die Versprechen von Gerechtigkeit und Wohlstand aber nicht vollends eingelöst wurden, weil der erhoffte Wandel in vielen Belangen nicht vollzogen wurde, stagniert oder heute auch wieder zurückfällt, durchschauen junge Menschen diese Ziele als gescheitert oder nicht mehr sinngebend.

Die Boomer-Generation hat den kommenden Generationen einerseits eine Welt hinterlassen, die ihnen eine Fülle an Ausdrucksmöglichkeiten und individuellen Lebensentwürfen gibt, in der die Menschen aber auf sich allein gestellt sind und es kaum Orientierung gibt, welche dieser Möglichkeiten wirklich sinnvoll sind. Es gibt keinen transzendenten Bezugspunkt mehr. Wir leben in einer Hungersnot nach Sinn. Es scheint aber so, dass wir ohne einen uns übersteigenden, transzendenten Sinn nicht leben können und wollen.

Suche nach Transzendenz

Wobei wir wieder bei Charlie Kirk und seiner Jugendbewegung »Turning Point« wären, die für Trumps Wiederwahl sehr wichtig war. Kirk war jemand, der sich in seinen Debatten oft auf eine absolute Dimension der Wirklichkeit bezog: absolute Wahrheit, das absolut Gute und Böse, Gott, Transzendenz. Dabei ist religiöser Glaube und argumentatives Kalkül manchmal schwer zu unterscheiden. In dem Gespräch mit dem Studenten, der sich als Agnostiker bezeichnet, sagte Kirk: »Wenn wir uns vom Glauben an Gott und das Transzendente entfernen, sehen wir, wie gefährlich das für die Gesellschaft ist.« Damit meinte er wohl die üblichen Feindbilder der Trump-Doktrin: Frauenrechte, Inklusion, freie Wissenschaft, Wokeness, offene, liberale Demokratie. Kirk nutzte Gott vor allem als Legitimation für politische Ziele, aber die absolute Überzeugung, mit der er seine Ansichten aussprach, schien die jungen Menschen zu erreichen.

Die Suche nach einem uns übersteigenden Sinnhorizont ist spürbar in der Anziehungskraft von Religion, Nation, Katastrophe und KI. Man könnte sagen, es ist eine Sehnsucht nach dem Absoluten. Eine Wirklichkeit, die uns übersteigt und geheimnisvoll bleibt, die jungen Menschen Verbundenheit, Zugehörigkeit, Orientierung und Sinn gibt. Die Religion eröffnet uns in ihren heilsamen Formen die Ahnung und Erfahrung eines existenziell tragenden Grundes. In den missbräuchlichen Formen, wenn sie wie bei Kirk und Trump mit Nationalismus und Rassismus einhergeht, setzt sie den eigenen Glauben und die eigene Nation als eine Art transzendenten Bezugspunkt, der Sinn und Zugehörigkeit verspricht.

Die Idee der Katastrophe, sei es als ökologischer Kollaps oder christliche Apokalypse gedacht, trägt ebenso den Klang des Absoluten in sich. Hier wird der Zusammenbruch unserer Zivilisation oder gar unserer Welt angesprochen. Tod und Sterben, auf individueller und auch auf kultureller Ebene, sind eine Konfrontation mit dem Absoluten. Auch bei der KI wird heute das Absolute spürbar. Viele Transhumanisten sehen in der KI eine Art technologischen Gott, der Allwissen und Allmacht in sich trägt – und mit uns teilt, wenn wir uns als Cyborgs mit der Maschine verschmelzen.

So verschieden und manchmal irritierend diese Suchbewegungen auch sind, sie zeugen davon, dass viele jungen Menschen auf der Suche nach etwas Nicht-Relativem sind, etwas, das nicht auf individuellen Launen oder Vorlieben basiert. Es ist nicht nur eine Sehnsucht nach Gewissheit oder moralischer Klarheit, sondern im Tiefsten eine Sehnsucht nach dem Transzendenten als einer Wirklichkeit und Ganzheit, die uns übersteigt und zutiefst innewohnt.

Wenn wir diese Sehnsucht ernst nehmen, eröffnen sich auch neue Brücken zwischen den Generationen. Die Offenheit, die die Moderne durch die Befreiung von äußeren moralischen Autoritäten erreicht hat, und die Offenheit für unterschiedliche Lebensentwürfe und Welterfahrungen, die uns die Postmoderne geschenkt hat, kann dann zur Grundlage werden, um in genau dieser Offenheit das uns übersteigende Ganze einzuladen. Frei von religiösen, aber auch materialistischen Dogmen können wir gemeinsam nach dem uns übersteigenden und gleichzeitig innewohnenden Sinn fragen. Nach den ins Absolute reichenden Qualitäten des Schönen, Wahren und Guten, die dem Leben innewohnen und die uns aus dem gemeinsamen Inneren Orientierung und Sinn eröffnen können. Das wäre auch eine neue Grundlage für ein gemeinsames schöpferisches Miteinander und Lernen zwischen den Menschen verschiedener Generationen, die alle Teil der Ganzheit des einen, uns alle übersteigenden Lebens sind.

Quellen und Links: www.evolve-world.org/e48-quellen

Author:
Mike Kauschke
Share this article: