April 13, 2026
Der 10. Pioneers of Change Online Summit unter dem Motto »Wurzeln für morgen« ist zu Ende gegangen. In einer ersten Zusammenschau möchte ich einige wichtige Erkenntnisse und Ausblicke ansprechen.
Hinschauen – Was passiert gerade, unter der Oberfläche? Tomas Björkman beschreibt den gegenwärtigen Moment als Bifurkationspunkt – wo kleinste Änderungen im bestehenden System gravierende Änderungen mit sich bringen können – Zusammenbruch oder Durchbruch. Das alte System erodiert – ökologisch, sozial, innerlich (Otto Scharmer). Was entsteht, ist noch nicht entschieden (Jakob Detering).
Der 10. Pioneers of Change Online Summit unter dem Motto »Wurzeln für morgen« ist zu Ende gegangen. In einer ersten Zusammenschau möchte ich einige wichtige Erkenntnisse und Ausblicke ansprechen.
Hinschauen – Was passiert gerade, unter der Oberfläche? Tomas Björkman beschreibt den gegenwärtigen Moment als Bifurkationspunkt – wo kleinste Änderungen im bestehenden System gravierende Änderungen mit sich bringen können – Zusammenbruch oder Durchbruch. Das alte System erodiert – ökologisch, sozial, innerlich (Otto Scharmer). Was entsteht, ist noch nicht entschieden (Jakob Detering).
Was viele derzeit als Rückschlag erleben, ist laut Stefan Wallner eine »Krise durch eigenen Erfolg«: Systeme schlagen zurück, wenn sie sich bedroht fühlen. Heide Göttner-Abendroth ermutigt, sich von den Drohgebärden nicht einschüchtern zu lassen: »Wenn es Widerstand gibt, heißt das, was wir tun, ist nicht egal. Es hat Wirkung – also machen wir weiter!«
Was es jetzt vor allem braucht: Kooperation. Denn sie ist evolutionäre Überlebensstrategie. Das können wir von der Natur lernen, so Peter Wohlleben: Bäume kooperieren und kommunizieren über ihr Wurzelsystem. Nicht nur unter Menschen, sondern auch mit der Mehr-als-menschlichen Welt – juristisch abgesichert als Rechte der Natur, die in Ecuador, Spanien und Neuseeland bereits Realität sind (Christine Ax).
Hinspüren – Wie bleiben wir menschlich, berührbar und klar? Francis Weller beschreibt unsere Zeit als eine kollektive Leere, weil weiße Kulturen von ihren Wurzeln abgeschnitten sind – von Ritualen, Ahnen, Gemeinschaft. Das Ergebnis ist eine chronische Sehnsucht nach Fülle, die wir vergeblich mit Macht, Besitz oder Ablenkung zu stillen versuchen. Was wir eigentlich bräuchten: gemeinsam den Schmerz über diesen Verlust betrauern. Trauerarbeit war immer Gemeinschaftspraxis. Wenn wir darin gemeinsam still werden und lauschen, können in der uns bevorstehenden »langen Dunkelheit« kreative Antworten erwachsen.
Otto Scharmer benennt die äußere Ursache der inneren Überwältigung: Flooding the Zone – täglich neue Schocks, bis wir blind reagieren oder uns zurückziehen. Was wir stattdessen brauchen, ist gezielte Aufmerksamkeitsfokussierung: nicht auf das starren, was verloren ist, sondern fragen: Was wird durch dieses Ereignis möglich? A’ida al Shibli macht es konkret: Wenn du dich überwältigt fühlst, können deine »Spirits« nicht mit dir kommunizieren. Raus in die Natur. Beruhigen. Dann fragen: Was ist meines zu tun? Bruder David unterscheidet Angst von Furcht: Angst ist ein Signal, das uns durch den Engpass führt. Furcht bleibt stecken. Deshalb: Fürchte dich nicht!
Und dann ist da noch der innere Jugendliche (Simon Marian Hoffmann), der Teil in uns, der Ideen und Ideale hat und Neues ausprobiert. Eine Ressource, die wir jetzt besonders brauchen.
»Was ist meines zu tun?«
Der mutigste Faden des Summits: Liebe als politische Haltung. A’ida al Shibli nennt es das liebende Nein – Widerstand ohne Feindschaft. Ken Wilber sieht Eros als verbindende Kraft. Anna Gamma übt täglich, in politischen Gegnern die Perle zu sehen. Friedemann Schulz von Thun übersetzt es in kommunikatives Handwerk: erst verstehen, ohne zu bewerten – dann Position beziehen.
Hinwenden – Wie stärken wir, was funktioniert? Die Praktiker:innen des Summits haben geliefert, was die großen Namen theoretisch beschrieben. Julia Petschnig hat Together gegründet – ein lebendiges Netzwerk, das tausende Menschen durch Lebensmittelrettung, Kunst, Wohnprojekte und Nachbarschaftshilfe verbindet. Martin Strele schützt strategisch wichtige Flächen durch den Kauf von Gehrechten. Uli Feichtinger macht Klimaschutz zur Sache der Bürger:innen, zum Beispiel über partizipativ entwickelte Klimastrategien. Alfred Grand zeigt mit seiner Marktgärtnerei, dass regenerative Landwirtschaft produktiver ist als konventionelle, und dabei die Natur schützt. Jane Davidson hat in Wales das einzige Gesetz der Welt geschaffen, das öffentliche Institutionen rechtlich verpflichtet, im Interesse zukünftiger Generationen zu handeln.
Was alle verbindet, nennt Sascha Haselmayer die Slow Lane: beharrliche Arbeit an einem größeren Ganzen, ohne sich von schnellen Lösungen verführen zu lassen. Johannes Heimrath fasst zusammen, was das Hinwenden letztlich trägt: Wenn wir die Welt als schön begriffen, würden wir sie nie zerstören. Wir würden sie erhalten.
Und das beste Mittel gegen das Gefühl, als Einzelne:r nichts bewirken zu können? Nicht einzeln bleiben
(Katharina Rogenhofer).