Editorial 50/2026

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Editorial
Published On:

April 17, 2026

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50
|
April 2026
Worauf können wir vertrauen
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Auf dem Rückweg vom Herbstakademie-Treffen an der Ostseeküste arbeiteten wir an den letzten Korrekturen zur 50. evolve-Ausgabe, die Sie jetzt in Händen halten. Der Akademiekreis ist aus den öffentlichen Herbstakademien entstanden, die wir zusammen mit Menschen aus der integralen Bewegung, der Anthroposophie und weiteren Interessierten an einer neuen Bewusstseinskultur über viele Jahre veranstaltet haben.

Bei unserem Treffen in der Alten Weberei Ahrenshoop begleitete uns die Frage, wie wir in diesen herausfordernden Zeiten das Wesen der Seele und des Seelischen ergründen und vertiefen können. Bei allen inhaltlichen Inspirationen entstand vor allem auch aus der Begegnung miteinander der Raum, in dem sich eine seelische Verbundenheit zeigen konnte. Viele der Teilnehmenden sagten, dass ihnen dies Hoffnung und Vertrauen geben würde, trotz allem, was gerade in der Welt geschieht.

Genau diese Frage, was uns in Zeiten wie diesen ein tiefes existenzielles Vertrauen eröffnen kann, bewegen wir in dieser Ausgabe. In ihrem Leitartikel zeigt Elizabeth Debold auf, dass viele Gewissheiten wegbrechen und Misstrauen unsere sozialen Beziehungen gefährdet. Sie fragt: Wo finden wir den Mut und das Vertrauen, uns mit anderen zu verbinden und unsere Welt zu gestalten?

Rob Hopkins, Mitgründer der Transi­tion-Town-Bewegung, findet Vertrauen in der Zukunft, in die er in seiner Imagination reist und möglichst viele Menschen mitnimmt, um ihre Sehnsucht nach dem Möglichen anzuregen. In diesen Geist des Möglichen tritt auch der Kontemplationslehrer Claus Eurich und eröffnet die mystische Tiefe eines Urvertrauens ins Leben. Getragen von etwas Größerem als uns selbst erlebt sich die christliche Podcasterin Elizabeth Oldfield. Sie fragt: Welche inneren Haltungen können uns darin unterstützen?

Aber die Welt, in der wir leben, fordert den Mut zum Vertrauen immer wieder heraus. Es ist der Mut, eine andere Wirklichkeit in uns und zwischen uns zu nähren, sagt die Schriftstellerin Marica Bodrožić in unserem Interview. Diesen Mut beweist die Pfarrerin Jane Field, die sich der Bürgerbewegung gegen die Razzien der ICE in ihrem Heimatbundesstaat Maine anschloss. Auch das Vertrauen in die Kraft des Friedens erfordert heute großen Mut und einen langen Atem. Youssef Mahmoud hat viele Friedensbemühungen in Afrika begleitet und spricht aus seiner Erfahrung.

Wie andere Kulturen mit zivilisatorischen Herausforderungen umgehen, zeigt der Beitrag des bekannten chinesischen Philosophen Tu Weiming. Er war ein Gesprächspartner des gerade verstorbenen Jürgen Habermas und denkt aus seiner konfuzianischen Perspektive unter anderem die Vision einer dialogischen Zivilisation. Der Systemdenker Jeremy Lent spricht in unserem Interview in ganz ähnlicher Weise von einer »Ökozivilisation«.

Die Künstlerin, mit deren Werken wir diese Ausgabe gestalten konnten, heißt nicht nur »Faith«, also Vertrauen, Glauben, sondern bringt den Schein des Schönen an zerbrochene, hoffnungslose, dunkle Orte. Wir sind sehr froh, dass wir mit den Bildern von Faith47 arbeiten konnten, weil sie ein tiefes Vertrauen in das Leben und die Menschlichkeit in sich tragen.

evolve-Herausgeber Thomas Steininger
sprach in den letzten Jahren, schon im Angesicht seiner schweren Erkrankung, von einem Sprung in das Vertrauen, ein Vertrauen in das Vertrauen selbst, das nicht davon abhängig ist, ob die Dinge sich so entwickeln, wie wir es wünschen. In diesem Sinne ist diese 50. Ausgabe von evolve auch ein Gedenken an Thomas, der im Oktober 2025 verstorben ist. Zu seinem ersten Todestag werden wir in seiner Heimatstadt Linz zu einer Veranstaltung einladen, die auch ein Gedenken an sein Lebenswerk ist. Es wird das Format einer Herbstakademie haben, die in diesem Jahr ihr 20. Jubiläum feiert, mit Impulsvorträgen, Dialogen, Ritualen und Kunstbeiträgen. Das Thema ist »Leben mit Licht und Schatten: Grundlagen einer neuen Bewusstseinskultur«. Eine dieser Grundlagen ist sicher das Vertrauen, das wir in dieser evolve intensiv bewegt haben. Wir freuen uns auf die Dialoge, die aus dieser Ausgabe entstehen werden.

Herzlichst

Mike Kauschke

Redaktionsleiter

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Auf dem Rückweg vom Herbstakademie-Treffen an der Ostseeküste arbeiteten wir an den letzten Korrekturen zur 50. evolve-Ausgabe, die Sie jetzt in Händen halten. Der Akademiekreis ist aus den öffentlichen Herbstakademien entstanden, die wir zusammen mit Menschen aus der integralen Bewegung, der Anthroposophie und weiteren Interessierten an einer neuen Bewusstseinskultur über viele Jahre veranstaltet haben.

Bei unserem Treffen in der Alten Weberei Ahrenshoop begleitete uns die Frage, wie wir in diesen herausfordernden Zeiten das Wesen der Seele und des Seelischen ergründen und vertiefen können. Bei allen inhaltlichen Inspirationen entstand vor allem auch aus der Begegnung miteinander der Raum, in dem sich eine seelische Verbundenheit zeigen konnte. Viele der Teilnehmenden sagten, dass ihnen dies Hoffnung und Vertrauen geben würde, trotz allem, was gerade in der Welt geschieht.

Genau diese Frage, was uns in Zeiten wie diesen ein tiefes existenzielles Vertrauen eröffnen kann, bewegen wir in dieser Ausgabe. In ihrem Leitartikel zeigt Elizabeth Debold auf, dass viele Gewissheiten wegbrechen und Misstrauen unsere sozialen Beziehungen gefährdet. Sie fragt: Wo finden wir den Mut und das Vertrauen, uns mit anderen zu verbinden und unsere Welt zu gestalten?

Rob Hopkins, Mitgründer der Transi­tion-Town-Bewegung, findet Vertrauen in der Zukunft, in die er in seiner Imagination reist und möglichst viele Menschen mitnimmt, um ihre Sehnsucht nach dem Möglichen anzuregen. In diesen Geist des Möglichen tritt auch der Kontemplationslehrer Claus Eurich und eröffnet die mystische Tiefe eines Urvertrauens ins Leben. Getragen von etwas Größerem als uns selbst erlebt sich die christliche Podcasterin Elizabeth Oldfield. Sie fragt: Welche inneren Haltungen können uns darin unterstützen?

Aber die Welt, in der wir leben, fordert den Mut zum Vertrauen immer wieder heraus. Es ist der Mut, eine andere Wirklichkeit in uns und zwischen uns zu nähren, sagt die Schriftstellerin Marica Bodrožić in unserem Interview. Diesen Mut beweist die Pfarrerin Jane Field, die sich der Bürgerbewegung gegen die Razzien der ICE in ihrem Heimatbundesstaat Maine anschloss. Auch das Vertrauen in die Kraft des Friedens erfordert heute großen Mut und einen langen Atem. Youssef Mahmoud hat viele Friedensbemühungen in Afrika begleitet und spricht aus seiner Erfahrung.

Wie andere Kulturen mit zivilisatorischen Herausforderungen umgehen, zeigt der Beitrag des bekannten chinesischen Philosophen Tu Weiming. Er war ein Gesprächspartner des gerade verstorbenen Jürgen Habermas und denkt aus seiner konfuzianischen Perspektive unter anderem die Vision einer dialogischen Zivilisation. Der Systemdenker Jeremy Lent spricht in unserem Interview in ganz ähnlicher Weise von einer »Ökozivilisation«.

Die Künstlerin, mit deren Werken wir diese Ausgabe gestalten konnten, heißt nicht nur »Faith«, also Vertrauen, Glauben, sondern bringt den Schein des Schönen an zerbrochene, hoffnungslose, dunkle Orte. Wir sind sehr froh, dass wir mit den Bildern von Faith47 arbeiten konnten, weil sie ein tiefes Vertrauen in das Leben und die Menschlichkeit in sich tragen.

evolve-Herausgeber Thomas Steininger
sprach in den letzten Jahren, schon im Angesicht seiner schweren Erkrankung, von einem Sprung in das Vertrauen, ein Vertrauen in das Vertrauen selbst, das nicht davon abhängig ist, ob die Dinge sich so entwickeln, wie wir es wünschen. In diesem Sinne ist diese 50. Ausgabe von evolve auch ein Gedenken an Thomas, der im Oktober 2025 verstorben ist. Zu seinem ersten Todestag werden wir in seiner Heimatstadt Linz zu einer Veranstaltung einladen, die auch ein Gedenken an sein Lebenswerk ist. Es wird das Format einer Herbstakademie haben, die in diesem Jahr ihr 20. Jubiläum feiert, mit Impulsvorträgen, Dialogen, Ritualen und Kunstbeiträgen. Das Thema ist »Leben mit Licht und Schatten: Grundlagen einer neuen Bewusstseinskultur«. Eine dieser Grundlagen ist sicher das Vertrauen, das wir in dieser evolve intensiv bewegt haben. Wir freuen uns auf die Dialoge, die aus dieser Ausgabe entstehen werden.

Herzlichst

Mike Kauschke

Redaktionsleiter

Author:
Mike Kauschke
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