January 25, 2026

Wir sehen nie das ganze Bild – dieser Satz wurde für mich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Leitsatz. Wir sehen nie das ganze Bild, ganz buchstäblich: Unsere Augen erfassen einen Blickwinkel von maximal 170 Grad. Dabei werden die Randbereiche nur schemenhaft wahrgenommen, scharf fokussiert sehen wir in einem Bereich von etwa 40 bis 60 Grad. Und was hinter uns liegt, sehen wir überhaupt nicht. Doch damit nicht genug. Von all den sensorischen Informationen, die die Augen aufnehmen, wählt das Gehirn nur einen Bruchteil aus – das, was aus unterschiedlichen Gründen relevant erscheint. Bekannt ist das Experiment, bei dem Probanden auf einem Bildschirm zwei Teams beim Ballspiel zusahen und die Ballwürfe zählen sollten. So konzentriert waren sie auf die Bälle, dass die große Mehrheit einen als Gorilla verkleideten Mann, der offen sichtbar durchs gesamte Spielfeld wanderte und sich demonstrativ auf die Brust trommelte, überhaupt nicht wahrnahmen.
Wir sehen nie das ganze Bild – dieser Satz wurde für mich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Leitsatz. Wir sehen nie das ganze Bild, ganz buchstäblich: Unsere Augen erfassen einen Blickwinkel von maximal 170 Grad. Dabei werden die Randbereiche nur schemenhaft wahrgenommen, scharf fokussiert sehen wir in einem Bereich von etwa 40 bis 60 Grad. Und was hinter uns liegt, sehen wir überhaupt nicht. Doch damit nicht genug. Von all den sensorischen Informationen, die die Augen aufnehmen, wählt das Gehirn nur einen Bruchteil aus – das, was aus unterschiedlichen Gründen relevant erscheint. Bekannt ist das Experiment, bei dem Probanden auf einem Bildschirm zwei Teams beim Ballspiel zusahen und die Ballwürfe zählen sollten. So konzentriert waren sie auf die Bälle, dass die große Mehrheit einen als Gorilla verkleideten Mann, der offen sichtbar durchs gesamte Spielfeld wanderte und sich demonstrativ auf die Brust trommelte, überhaupt nicht wahrnahmen.
Wir sehen nie das ganze Bild. In einem anderen, übertragenen Sinn ist mir dieser Satz tatsächlich tröstlich geworden. Und zwar im Zusammenhang mit den Horrornachrichten, Unheilsbotschaften und Untergangsprophetien, die uns in diesen Zeiten geradezu überfluten. Oft fällt es mir schwer, die Nachrichten anzuschauen oder die Zeitung zu lesen, zu deprimierend ist das, was mir dort tagtäglich präsentiert wird.
Doch wir sehen nie das ganze Bild. Im Fall der sogenannten sozialen Medien ist es offensichtlich: Da werden uns ganz bewusst die Aufreger und Hassbotschaften in die Timeline gespült, Positives und Aufbauendes wird vom Algorithmus an den Rand geschoben. Doch auch die sogenannten Qualitätsmedien bringen fast nur schlechte Nachrichten, denn die verkaufen sich am besten. Only bad news is good news – nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Irgendwie klar war mir das schon lange, doch erst seit einiger Zeit habe ich angefangen, dem etwas entgegenzusetzen. Bewusst suche ich nun nach aufbauenden, positiven Nachrichten: Beispiele etwa für erfolgreiche Projekte im Klima- und Naturschutz, für gelingende Versöhnung unter ehemaligen Feinden oder Mut machende Aufbrüche aller Art. Zunächst fiel mir das nicht ganz leicht. Doch mit den Büchern »Factfulness« von Hans Rosling und »Hoffnung für Verzweifelte« von Hannah Ritchie nahm es seinen Anfang und mit der Zeit fand ich mehr und mehr Quellen für aufbauende, positive Berichte und stellte fest, dass es um die Welt zwar schlimm steht, aber doch nicht ganz so schlimm und vor allem nicht so aussichtslos, wie ich lange dachte.
Und schließlich, um noch einen Blick auf den Bereich der Spiritualität zu werfen: Wir sehen nie das ganze Bild. Wir wissen nicht, welchen Platz und welche Funktion ein bestimmtes Ereignis im großen Zusammenhang tatsächlich hat. Ohne die Dinge schönfärben zu wollen: Ich habe doch letztlich keine Ahnung vom Ganzen der Wirklichkeit, ich sehe nur ein klitzekleines Bruchstück. »Wir sehen jetzt durch einen trüben Spiegel ein dunkles Bild«, heißt es im christlichen Neuen Testament. Und andere Religionen und spirituelle Systeme kommen zu ähnlichen Aussagen, die im Wesentlichen darauf hinauslaufen, dass die letzte Wirklichkeit unseren Augen verborgen ist. Im Hinduismus etwa kleidet sich diese Erkenntnis in die Annahme, die Welt der Phänomene sei reine Illusion. Die metamoderne oder integrale Weltsicht geht davon aus, dass alles, was wir zu erkennen meinen, von unserem Standpunkt und den vielfältigen Kontexten geprägt ist, in denen wir existieren.
Gerade weil wir nie das ganze Bild erkennen können, liegt es – jedenfalls teilweise – an uns, welche Informationen wir auswählen, welchen Bildern wir uns öffnen, ob wir Zuversicht fassen oder in Verzweiflung versinken. Ganz ehrlich: Wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich eher für die zuversichtliche Variante. Sie tut mir und meinem Umfeld gut und öffnet mein Wahrnehmen, Urteilen und Handeln für andere, lebensdienliche Perspektiven. Und die sind ja oft die andere Hälfte des ganzen Bildes.