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Interview
Published On:

July 12, 2026

Featuring:
Vuyi Qubeka
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Issue:
51
|
July 2026
Leben mit Licht und Schatten
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Heimkehr zum ursprünglichen Rhythmus

Vuyi Qubeka lebt in Johannesburg, Südafrika, und schlägt in ihrer Arbeit eine Brücke zwischen Kunst, indigenem Wissen und verkörperter Heilung. Ihr eigener Weg der Integration hat ihr Verständnis von Licht und Dunkel in unserer Seele zutiefst verwandelt.

evolve: Licht und Dunkelheit, die Sonne und der Nachthimmel, der Schatten und die Helligkeit des Tageslichts – das alles sind grundlegende Wahrnehmungen der uns umgebenden lebendigen Welt, die für uns auch zu Metaphern geworden sind, weil sie bestimmte Dynamiken in der Welt offenbaren. Wie verstehst du Licht und Dunkelheit oder Licht und Schatten aus der Weisheit deiner Kultur heraus?

Vuyi Qubeka: Ich erinnere mich an eine Zeit in meinem Leben, in der ich große Angst vor der Dunkelheit und den Schatten hatte. Ich bin in Soweto aufgewachsen, und während der Zeit des politischen Umbruchs im Land herrschte auf den Straßen Unruhe. Abends, wenn die Sonne unterging, spürte ich die Angst und die Nachwirkungen des langen Krieges, den wir durchlebt hatten. Die Dunkelheit war also immer präsent, aber nicht als etwas Gutes.

Viel später, durch meinen eigenen Heilungsprozess, bei dem ich durch Mutter Natur (das weibliche Prinzip) geheilt wurde, konnte ich die Dunkelheit oder den Schatten auch aus einer anderen Perspektive verstehen. Ich war im Einklang mit Mutter Erde und verstand, wie sie uns dient und wie wir ihr dienen sollten. Ich dachte über den Mutterleib als Schatten und Dunkelheit nach. Bei meiner Geburt gab es Komplikationen und ich hätte es fast nicht in diese Welt geschafft. Als meine Mutter schwanger war, war sie ziemlich ängstlich. Sie fühlte sich von ihrer eigenen Mutter abgelehnt, der die Nachricht von ihrer Schwangerschaft nicht gefiel. Später erfuhr ich, dass die Gefühle, die eine Mutter in sich trägt, auch den Fötus im Mutterleib beeinflussen. Und der Mutterleib nährt dich und formt buchstäblich deine Knochen, damit du in diese Welt geboren werden kannst. So begann ich, Dunkelheit und Licht als innige Verbündete zu sehen.

In der ägyptischen Mythologie steht die Sonne, wenn sie ihren höchsten Stand erreicht hat, für den Sonnengott Ra – das männliche/väterliche Prinzip – und ist dann am hellsten. Wenn sie untergeht, kehrt sie zurück in die Erde, den Schoß der Mutter, und drückt so den Rhythmus des Lebens aus. Sie braucht die Dunkelheit, um dem Licht standzuhalten, das sie jeden Tag ausstrahlt. Wir sagen auch, dass die Sonne in das Land der weißen Knochen, zu den Ahnen, zurückkehrt. Man kann sich das sogar so vorstellen, als würde man Samen in die Erde legen. Die Wärme der Erde ist Nahrung. Dort ist es dunkel, aber sie nährt und sie schenkt Leben.

Die Maske ablegen

e: Das westliche Verständnis polarisiert Licht und Dunkelheit, betrachtet sie als Gegensätze – oft wird das eine als gut und das andere als schlecht oder schwierig angesehen. Inwiefern unterscheidet sich deine Kultur von dieser Polarisierung?

VQ: Als wir von unserem Stück Erde verbannt wurden, wurden wir von uns selbst verbannt. Wenn wir dahin zurückkehren, kehren wir zu uns selbst zurück. Meine Familie und meine Kultur waren von der westlichen Denkweise infiziert. Als jemand, die in der Stadt aufgewachsen und weitgehend von der Familie getrennt war, musste ich selbst gegen diese »Infektion« ankämpfen. Als ich sehr krank wurde, reiste ich in die Provinz Ostkap aufs Land und lebte bei einer Gemeinschaft, die noch immer die Beziehung zu den Ahnen pflegt. Da begann ich zu heilen und den Verlust zu verstehen, den ich (und meine Abstammungslinie) auf zellulärer Ebene erlebt hatte. Zum ersten Mal seit wir Soweto verlassen hatten, war ich von Menschen umgeben, die genauso aussahen wie ich und ich begegnete mir selbst endlich ohne all die darübergelegten Schichten.

»Ich wurde wieder in den indigenen ‍Rhythmus eingeführt, den wir alle teilen.«

Zuvor musste ich die meiste Zeit eine Maske aufsetzen. Als Kind Englisch lernen zu müssen, war eine Erfahrung der Zerrissenheit – zu erkennen, dass man nicht mehr in der eigenen Sprache träumt, sondern auf Englisch, weil das die einzige Sprache ist, die in der Schule erlaubt ist. Als ich in das Dorf Tsolo kam, erlebte ich zum ersten Mal seit meiner Kindheit, dass ich keine Rolle mehr spielen musste. Ich trug keine Schuhe. Ich war umgeben von Bergen, Wasser und Natur. Wir kochten am Feuer und saßen nachts zusammen. Ich wurde wieder in den indigenen Rhythmus eingeführt, den wir alle teilen.

e: Wie können wir alle inmitten vom Licht und der Dunkelheit des Lebens den Weg zu diesem ursprünglichen Rhythmus finden?

VQ: Für mich geht es bei Licht und Dunkelheit darum, die wahren Aspekte unseres Selbst an die Oberfläche zu lassen, denn Dunkelheit bedeutet nicht, dass etwas schlecht oder falsch ist. Sie ist Information. Und das bedeutet, dass das, was verborgen war, von den Orten der Scham, des Schmerzes oder der Enttäuschung befreit und geheilt werden möchte, damit es uns die Freiheit gibt, mehr Licht in unserem Wesen und unserer Kreativität zum Ausdruck zu bringen.

Kinder sind in ihrer Reinheit ein großartiger Ausdruck der Natur. Ein Kind drückt grenzenlose Freude aus, und wir als Erwachsene haben, je älter wir werden, solche Angst davor, unsere Freude, unser Vergnügen zuzulassen. Das Kind spiegelt die Essenz unserer Seelen wider, unseren Geist, die Ausgeglichenheit des Nervensystems. Oft verlieren wir diese Teile von uns, weil wir »erwachsen werden« müssen. Manchmal verwechseln wir das Älterwerden damit, nicht mehr so verspielt, nicht mehr so fröhlich sein zu dürfen. Deshalb spreche ich von den Kindern, denn sie bringen die Freude zum Ausdruck, die die Erde zusammenhält und die Welt in Bewegung hält. Sie sind im Einklang mit den Vögeln, den Schmetterlingen, den Farben, der Sonne und den Winden – eben mit dem Kreislauf des Lebens. Kinder zeigen uns das, was wir bewahren und woran wir festhalten sollten.

Auf der Suche nach Heilung

e: Was können wir von Licht und Dunkelheit lernen, um diesen Übergang in eine andere Kultur, eine andere Art des Daseins hier zu schaffen?

VQ: Der Übergang, in dem wir uns befinden, spiegelt wider, was innerlich in uns geschieht. In jeder Kultur finden wir Geschichten, die uns von der Notwendigkeit einer dunklen Nacht der Seele oder einer Heldenreise erzählen. Von der Notwendigkeit, das eigene Bewusstsein zu entwickeln. Aber so viele Menschen sträuben sich dagegen, weil wir glauben, den Schein wahren zu müssen, oder Angst haben, uns selbst zu verlieren. Manchmal haben wir das Gefühl, dass der Blick auf das, was wehtut, uns zerbrechen lassen könnte –während es uns doch eigentlich oft verwandelt, uns etwas Wertvolles lehrt und uns erhebt.

Viele Frauen, die auf der Suche nach Heilung zu mir kommen, haben beispielsweise irgendeine Form von Trauma erlebt – sexuellen Missbrauch, unangemessene Berührungen als Kinder. Und viele Generationen von Frauen haben vor ihnen bereits das Gleiche erlebt. Es existiert eine lange Kette des Schweigens, die nun in bestimmten körperlichen Manifestationen von Krankheiten gipfelt. Krankheiten zeigen uns auf körperlicher Ebene, was in der Seele nicht in Ordnung ist. In meiner Arbeit versuche ich, der Ursache auf den Grund zu gehen, was in der Ahnenlinie oder Geschichte den Körper krank gemacht hat. Eine ähnliche Erfahrung machen viele Männer, die von Kindheit an gezwungen wurden, ihre Freude oder ihre sensible Seite zu unterdrücken: »Jungen weinen nicht«. Dies beeinträchtigt die Harmonie zwischen der rechten und linken Hemisphäre des Gehirns und ihre natürlichen Ausdrucksweisen. Deshalb befindet sich der Mensch heute in diesem Raum des Unwohlseins.

Jacob Collins, Catskill Sunset II, 2009

Das patriarchalische System hat die Menschen darauf programmiert, sich wie Maschinen zu verhalten, aber wir sind keine Maschinen. Über Jahrhunderte hinweg wurden wir von unserer Göttlichkeit abgekoppelt, und viele von uns zeigen körperliche, emotionale, spirituelle und mentale Störungen, weil wir nicht mehr auf dieselbe Weise weiterleben können – denn sie ist unnatürlich. Und die künstlichen Frequenzen, Algorithmen und Smartphones stumpfen uns noch mehr ab. Wir sehen heute Bilder von Krieg, Zerstörung und Tod in einem Ausmaß, für das Menschen nicht geschaffen sind – und das macht uns noch grausamer und abgestumpfter.

Wir müssen innehalten, uns nach innen wenden und die Dunkelheit annehmen, seien es Traumata, Gefühle oder die Aussage von jemandem, als du jung warst, die du nicht loslassen kannst, weil sie immer noch tief in dir verankert ist. Wir sollten die Dualität in uns selbst akzeptieren und transformieren. Manchmal liegen unsere Gaben, unsere Heilmittel in der Dunkelheit. So könnten wir uns daran erinnern, wie man gütig ist, wie man einander einfühlsam begegnet, wie man gemeinsam trauert. Es geht darum, nach Hause zu kommen, die Reise ins Licht anzutreten, das in dir selbst liegt, in der Dunkelheit deines Inneren.

e: Es klingt, als würdest du auf das Licht in der Dunkelheit hinweisen.

VQ: Sie gehören so tief zueinander, das zeigen uns doch auch die Sterne in der Nacht.

Der Körper im Innern der Seele

e: Welche Transformation kann sich durch die Verbindung mit dem Licht in der Dunkelheit in uns ereignen?

VQ: Wir haben die Erde ganz ähnlich behandelt, wie viele Menschen ihren eigenen Körper behandeln, nämlich wie Maschinen, die nichts zu sagen haben, die keine besondere Fürsorge brauchen. Wir leben so sehr abgetrennt von unseren Körpern. Und in vielerlei Hinsicht sind wir von unseren Körpern genauso getrennt wie von der Erde. Wir leben in einem inneren Unbehagen. Oft sind wir uns nicht einmal bewusst, was die wahren Bedürfnisse unseres Körpers sind. Viele Menschen atmen nicht richtig, weil sie ängstlich sind und ständig in Eile. Immer im Tun. Wir atmen nicht voll in unser Zwerchfell ein, um Lebenskraft in uns hineinzulassen. Die Vorstellung, dass wir mehr sind als unsere physischen Körper, ist ein Konzept, das fast schon seltsam klingt. Aber genau deshalb sind das Trommeln, das Singen und das Tanzen in vielen Kulturen so wichtig, weil der Körper eine Antenne ist. Und manche glauben – und ich auch –, dass der Körper im Innern der Seele liegt.

»Manchmal liegen unsere Gaben, unsere Heilmittel in der Dunkelheit.«

Wie können wir uns also mit dem Licht beleben? Indem wir auf die Seele, den Geist und den Körper achten. Die Gewalt, die wir uns auf geistiger Ebene antun, wenn wir denken: »Ich bin so dumm, nicht gut genug«, durchdringt uns mit der Zeit immer tiefer. Es fühlt sich wie ein isoliertes Ereignis an, aber diese Gedanken manifestieren sich über den Körper und die Ahnenreihe. Die Art und Weise, wie du mit dir selbst umgehst, kann sich darin widerspiegeln, wie du deinen Partner oder deine Familie behandelst, denn so empfindest du dich selbst. Das sind die Samen, die du säst. Diese Zeiten fordern uns also auf, uns selbst zu verwandeln, denn dadurch wird sich auch die äußere Erfahrung wandeln.

Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit

e: Das umfasst die Ganzheit unserer Erfahrung, die sowohl das Licht als auch die Dunkelheit enthält, die Erfahrungen, die uns einschränken oder uns Schmerz bereiten, und auch die Erfahrungen, die wir anstreben oder an denen wir Freude haben. Aber meistens leben wir nicht mit dieser umfassenden Erkenntnis unseres Seins. Betrachtest du diese verschiedenen Dimensionen von Licht und Dunkelheit als Kräfte, die im Kosmos oder auf der Erde wirken, oder sind sie etwas einzigartig Menschliches?

VQ: Ich glaube fest daran, dass diese Kräfte in den Dimensionen der Wirklichkeit im Kosmos lebendig sind. Die menschliche Erfahrung ist einzigartig, denn nirgendwo sonst kann die Seele so leben und das berühren, was sie hier erlebt. Allem wohnt ein Geist inne. Die Pflanze hat einen Geist, die Pilze haben einen Geist. Und jeder Geist wirkt auf einer bestimmten Frequenz, mit einer verschlüsselten Absicht. Es gibt einen Grund, warum ich Kamillentee trinke, da er auf eine bestimmte Weise mit meinem Körper interagiert.

Aber es gibt Kräfte des Lichts und der Dunkelheit, das, was wir im gesamten Universum als Gut und Böse bezeichnen, einschließlich der Dimension, in der wir leben. Das Licht bekämpft die Dunkelheit, damit die Menschen zu ihrem Wesen befreit werden können. Es gibt einen Kampf, den wir auf menschlicher Ebene als den Kampf um unsere Aufmerksamkeit verstehen können und der durch Algorithmen, die Lebensmittelindustrie und endlose Unterhaltungsangebote geführt wird. All diese Dinge halten uns in einem komatösen Zustand, erschöpfen uns. Sie halten uns von dem Wunsch fern, unsere Menschlichkeit, unsere Spiritualität zurückzugewinnen und die Erde schützen und sicherstellen zu wollen, dass wir diesen Ort für zukünftige Generationen erhalten.

e: Wie können wir inmitten all dessen unsere Menschlichkeit zurückgewinnen?

VQ: Es gibt einen alten afrikanischen Brauch: Wenn sich ein Kind innerhalb einer Gemeinschaft schlecht benimmt oder wenn ein Kind niedergeschlagen ist, versammeln wir uns im Kreis und stellen das Kind genau in die Mitte. Jede und jeder in der Gemeinschaft sagt dem Kind, was er bzw. sie an ihm liebt, was das Schöne an dem Lichtvollen in diesem Kind ist. Viele von uns sind durch Dinge, die uns gesagt oder angetan wurden, oder durch das, was wir uns selbst erzählen, innerlich erschöpft und geschwächt. Wir müssen uns selbst als Individuen, aber auch als Gemeinschaft neues Leben zusprechen und wieder in den Kreis zurückkehren. Um mehr Licht in der Person zu sehen, die trauert, in der Person, die psychisch zu kämpfen hat, in der Person, die nicht viel besitzt. Wir können wieder lernen und uns daran erinnern, was es bedeutet, einander und uns selbst Halt zu geben.

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Author:
Dr. Elizabeth Debold
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